Zentimeter für Zentimeter schwebt die „Libelle“ der Wasseroberfläche im Hafenbecken entgegen. Robby Kranzusch hat den Ausleger seines Brandt-Krans weit ausgefahren, bugsiert das immerhin fast 20 Tonnen schwere Gefährt von der Stellfläche wenige Meter von der Kaimauer entfernt wieder ins nasse Element.
„Gut 14 Tage vorher hat es die gleiche Prozedur umgekehrt gegeben“, erzählt Gerd Frenzel, während wir an diesem Nachmittag noch auf die anderen Helfer des Schwedter Seesportclubs warten. Bald sind auch Vereinschef Ronald Schrader, Jörg Maaß, Andreas Wagner sowie René Frenzel und Dirk Wilwand vor Ort – die beiden Letztgenannten werden später die Barkasse knapp zehn Kilometer weit in ihren Heimathafen beim Verein am sogenannten Holzhafen fahren.
„Dort können wir solche Arbeiten nicht mehr realisieren“, erzählt Schrader. Man bekomme das Boot dort nicht aus dem Wasser, weil die schwere Krantechnik keine Chance für einen Stellplatz habe. Also habe man dankenswerterweise das Angebot der Hafengesellschaft genutzt und die „Libelle“ hierher transportiert.
„Vor gut zehn Jahren haben wir schon mal die Maschine generalüberholen lassen. Mitten auf dem Oderhaff waren wir liegengeblieben. Zum Glück haben wir dort unseren befreundeten Verein in Anklam, wo dann auch die Reparatur erledigt wurde“, erinnert sich Schrader. Bei der jetzigen „Schönheitskur“ galt es zunächst, in akribischer Kleinarbeit die Schiffshaut vom Rost zu befreien.
Auf dem Trockenen unweit der Kaimauer aufgebockt, hatten die Seesportler da reichlich Platz. „Wir haben dabei und dann beim Anstreichen auch große Planen drunter gelegt, weil wir den Belag hier natürlich nicht verdrecken wollten“, sagt Schrader.

Exakte Länge der Barkasse misst 14,99 Meter

Dann ging es daran, der noch in die Kategorie „Sportboot“ fallenden Barkasse (sie misst exakt 14,99 und eben keine 15 Meter!) den neuen Anstrich zu verpassen. Kastanienbraun unten, weiß oben. „Da sind schon einige Bottiche verbraucht worden, werden wohl so gut 20 Liter gewesen sein“, meint der Vorsitzende.
Nach gut 14 Tagen war die gesamte Prozedur durch. Nun konnte das Gefährt also zurück in sein nasses Element bugsiert werden. Alles klappte wie am Schnürchen, professionell eben. Mit seinen
140 PS konnte das Boot, das als Versorgungs- und Materialgefährt für die Seesportler genutzt wird und aus dem Baujahr 1979 stammt, die Rückfahrt antreten.
Einige Restarbeiten auf dem Deck seien dann noch zu erledigen, ergänzt Ronald Schrader, welcher der Kranfirma und der Hafengesellschaft für die Unterstützung dankt.
Der Seesport in Schwedt hat seine Ursprünge in den 1950er- Jahren, als eine entsprechende Sektion in der damaligen Gesellschaft für Sport und Technik gegründet wurde. In den 70er- und 80er-Jahren erlebte die Sportart ihren Höhepunkt mit seinerzeit um die 70 Mitglieder. 1986 wurde der Seesportclub dann in seiner jetzigen Form gegründet – im kommenden Jahr steht also ein kleines Jubiläum an.

Junge Segler trainieren im Schwedter Seesportclub

Heute seien um die 30 Mitglieder organisiert, darunter etliche junge Nachwuchssegler. „Stark zugenommen hat in letzter Zeit das Ablegen von Bootsführerscheinen „Binnen“ für Gefährte über 15 PS. Da bieten wir in der Ausbildung gern unsere Fachkenntnisse an und nehmen die Prüfungen ab“, bestätigt Schrader. Laut Homepage hat es gerade am Sonnabend eine Prüfung gegeben.
Die „Libelle“ – der Schriftzug muss übrigens auch noch neu angebracht werden – hat ihre Schönheitskur hinter sich. In drei Jahren wird die nächste anstehen.