In Schwedt gibt es nach vielen Jahren wieder brütende Dohlen. In Brutkästen, die Schwedter Aktivisten des Naturschutzbundes Deutschland im Kirchturm der evangelischen ?Kirche eingebaut hatten, gab es bereits im Winter 2009/2010 einen ersten Bruterfolg, auch im vorigen Winter wurden drei Jungvögel großgezogen.
Es gilt als kleine Sensation, die den Naturschützern des Nabu Schwedt gelungen ist. Nach Angaben von Ornithologen gab es schon Jahrzehnte keine der rar gewordenen Vögel mehr in der Stadt. „Es war eine Riesenüberraschung, dass die Kästen gleich im ersten Jahr angenommen wurden“, freut sich Rotraut Gille vom Nabu. Als der Bundesverband die Dohle jetzt zumVogel des Jahres 2012 kürte, um auf seine Gefährdung hinzuweisen, sahen sich die Schwedter Vogelschützer in ihren Anstrengungen bestätigt. Brandenburg hatte den Singvogel 2008 auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere gesetzt, das war der Anlass für die Schwedter, sich um den Vogel zu kümmern.
Mit Kindern der evangelischen Kita Arche und mit Konfirmanden hatten Nabu-Mitglieder die zirka 30 Zentimeter großen Nistkästen gebaut. Mittlerweile stehen solche Nisthilfen in der Angermünder, Flemsdorfer und Schwedter Kirche.
Die Dohle ist eine Rabenart, hat schwarzes, bläulich-metallen schimmerndes Gefieder und ist so groß wie eine Taube. Tauben und ihre Hinterlassenschaften sind vornehmlich der Grund, dass viele Kirchen Nischen und Luken in Kirchtürmen schlossen, die Dohlen gern als Brutstätten nutzen. Die Vogelschützer achten nun darauf, dass die Nistkästen so gebaut sind, dass Tauben sie nicht nutzen können. Vornehmlich brüten Dohlen kolonieweise in Felswänden und Baumhöhlen alter Laubholzbestände, ersatzweise in alten Industriebauten, Mauernischen und Kirchtürmen. Sanierungen sowie das dichte Verschließen von Dächern und Türmen führten zum dramatischen Verlust von Brutplätzen.
Der Nabu plant im nächsten Jahr weitere Aktionen zum Schutz der Dohlen und zur Umweltbildung über die Vogelart.