In Senioreneinrichtungen von Schwedt liegen die Nerven der Mitarbeiter blank. Sie wollen Pflege und liebevolle Betreuung möglich machen. Doch viele haben selbst Angst sich anzustecken. Die meisten Bewohner und das Personal sehnen die Impfung herbei. Nach den Heimen sollten zügig die Senioren-Wohngemeinschaften geimpft werden. Die Strategie geht nicht auf.

2500 Impfdosen fehlen in der Uckermark

„Wir hatten alles durchgeplant mit den WG und ambulanten Pflegediensten. Aber in der Uckermark fehlen 2500 Impfdosen“, erläutert Ellen Fährmann von der Koordinierungsstelle im Landkreis. Es gibt Gerüchte, dass Wohngemeinschaften nicht geimpft werden sollen. Dem widerspricht Ellen Fährmann: „Auch dort werden wir impfen. Ich kann nur nicht sagen, wann.“ Im Land Brandenburg müssen noch 60 stationäre Einrichtungen abgearbeitet werden. Fährmann rechnet damit, dass Wohngemeinschaften Ende Februar dran sind.

In den Heimen gibt es keine Normalität

Im AWO-Heim „Lea Grundig“ ist man froh, dass die erste Impfung stattgefunden hat. Dort gab es mehrere Corona-Fälle. Seit dem 13. Januar sind Besucher verboten. „Wir haben die Betroffenen separiert und sind froh, dass die Angehörigen verständnisvoll reagieren“, sagt Heimleiterin Kerstin Bischoff.
Sie bezeichnet es als einen Wettlauf mit der Zeit, dass jetzt so schnell wie möglich geimpft wird. Das AWO-Heim war die zweite Einrichtung in Schwedt, wo das möglich war. „Wir haben uns selber darum gekümmert und hoffen jetzt auf die zweite Impfung für Bewohner und Mitarbeiter. Sie steht am 4. und 5. Februar an. Dann müssen wir sehen, dass Normalität einzieht.“

Tränen wegen strenger Besuchsverbote

Von Normalität ist man auch im EJF-Haus Harmonie weit entfernt. „Bei uns arbeiten nach Möglichkeit immer dieselben Kollegen im gleichen Bereich mit denselben Bewohnern. Einzelbetreuung steht jetzt im Fokus“, erläutert Heimleiterin Aileen Lange. Unter bestimmten hygienischen Bedingungen seien das Streicheln und Trösten der Bewohner weiterhin möglich. Allerdings bestehen für Besucher große Einschränkungen.
Strenge Besuchsregeln machen auch Bewohnern und Angehörigen im DRK-Heim zu schaffen. Es hat sogar Tränen gegeben. „Wir haben uns deshalb drei Tablet-PC angeschafft. Über sie und mit unserer Hilfe können die Bewohner in Kontakt zu ihren Kindern und Enkeln treten. Da leuchten dann die Augen, und das macht uns sehr froh“, erzählt Leiterin Jacqueline Klemm.
In diesem Heim gibt es 94 vollstationäre Plätze sowie sechs für Kurzzeitpflege. Dort wartet man ebenfalls auf den zweiten Besuch des mobilen Impfteams. Die Leiterin hofft, dass man bis Mitte Februar „durch“ ist. Sie hat festgestellt: „Als bekannt wurde, dass bei uns geimpft wird, konnten wir uns vor Anrufen von impfwilligen Schwedtern kaum retten. Dosen sind aber nur für Bewohner und Personal vorhanden.“

Pflegekräfte müssen Todesfälle verarbeiten

Gerade die Heime stellen sich als großes Risikogebiet heraus. Ellen Fährmann warnt: „Angehörige sollten ihre Besuche einschränken, mit dem Personal an einem Strang ziehen und keine Smileys in die Besucherlisten schreiben. Die Mitarbeiter sind fix und fertig wegen der Todesfälle und müssen verarbeiten, dass Bewohner sterben, die sie lange gekannt haben.“
Verena Brückner leitet den Pflegedienst E&B am Brechtplatz. Dort gibt es eine Senioren-WG mit acht Plätzen. Dass diese Bewohner vorerst keine Impfung bekommen, weil nicht genug Serum da ist, sieht sie gelassen. „Nur drei unserer acht Bewohner möchten die Impfung. Die meisten haben Angst“, stellt sie fest. Bei Bonvital mit seinen vier Wohngemeinschaften in Passow, Gramzow und Templin sieht das anders aus. „Etwa 95 Prozent unserer Bewohner wollen sich impfen lassen“, sagt Geschäftsführerin Katrin Henke. „Wir haben der Koordinierungsstelle Uckermark unseren Bedarf mitgeteilt. Wie die Termine liegen, kann ich noch nicht sagen. Irgendwann sind wir an der Reihe.“

Drei- bis viermal pro Woche testen

Pflegekräfte versuchen derzeit, die alltäglichen Abläufe zu gewährleisten. Verena Brückner und ihre 21 Mitarbeiterinnen in der WG und im ambulanten Pflegedienst, der zum Beispiel in Kunow und Woltersdorf unterwegs ist, arbeiten nach strengen Hygieneregeln. Sie lassen sich drei- bis viermal pro Woche testen. Das Temperaturmessen ist die erste Handlung bei Dienstantritt.
„Wir sind froh, dass wir in der WG gemeinsame Malzeiten der Senioren ermöglichen können. Niemand muss hier einsam sein“, sagt Verena Brückner. „Wir spüren aber schon die Aufregung der Bewohner. Sie wollen immer wissen, was die Politik beschlossen hat.“
In der Tagespflege des ambulanten Pflegedienstes Bonvital in der Wartiner Straße bleiben manche Tagesgäste freiwillig zu Hause, weil sie Angst vor Ansteckung haben. „Trotzdem kommen noch viele Senioren zu uns, weil ihre Angehörigen bei der Betreuung an ihre Grenzen stoßen“, erläutert die Geschäftsführerin. „Dass wir auch weiterhin da sind, dafür sind uns die Angehörigen sehr dankbar.“
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