Wenn wir abends hier am Sportplatz vorbeigehen und es sind 25 Männer oder auch jede Menge Kinder beim Training, da geht mir immer wieder das Herz auf und ich bin stolz auf unseren Verein.“ Zugegeben, dieser Tage hat Simone Höfert diese Erlebnisse wegen des nahezu kompletten Lockdowns im Amateursport nicht, aber aus reichlich Erfahrungen der zurückliegenden Monate und Jahre weiß die Finanzerin aus dem Vereinsvorstand des SV Pinnow natürlich genau, wovon sie spricht.
Zumal sich bei den Höferts „schon immer“ ganz viel um das runde Leder drehte. „Als ich meinen Mann Uwe kennenlernte, war er aktiver Fußballer. Immer mehr kamen auch die Spielerfrauen bei den Partien ins Gespräch, lernten sich besser kennen, übernahmen den Verkauf von Imbiss und Getränken für die Zuschauer.“
Damals firmierten die Pinnower noch unter dem Vereinsnamen SV Traktor. „Als Uwe dann rund ein Jahrzehnt nach der Wende, also kurz vor der Jahrtausendwende, als Übungsleiter kräftig mithalf, einen eigenständigen Nachwuchs beim SV Pinnow aufzubauen, waren er und unser Sohn Patrick dann bis zu fünf Tage in der Woche auf dem Sportplatz. Da konnte ich fast gar nicht anders, als mich noch mehr zu engagieren im Verein. Patrick hatte einige Jahre zuvor schon beim USV Passow bei den Junioren mit dem Training angefangen.“ Heute gehört er zu den Routiniers des Landesklasse-Wiederaufsteigers in Pinnow, war etliche Jahre sogar Mannschaftskapitän. „Und ich fiebere wie seit Jahr und Tag bei jedem Spiel immer noch bis zum Schlusspfiff mit“, gesteht Simone Höfert ein.

Areal als echtes Schmuckstück

„Das, was hier in Pinnow inzwischen entstanden ist, stellt für einen Dorfverein wirklich eine große Nummer dar. Wenn ich jetzt mit dem Ehrenamtspreis des Fußballkreises geehrt werde, dann muss ich gleich von vornherein sagen: Ich bin wirklich nur ein kleines Teilchen dieses großen Vereinsrades – viele, viele haben das geschaffen, worauf unser 140-Leute-Verein wohl zu Recht sehr stolz ist.“
Höfert nennt den neu geschaffenen Trainingsplatz, die Flutlichtanlage, selbstverständlich das schicke Vereinsheim, jetzt sogar eine elektrische Beregnungsanlage für den Platz. „Das Areal ist ein echtes Schmuckstück geworden“, findet nicht nur sie.
Was Simone Höferts größtes Verdienst seit knapp anderthalb Jahrzehnten beim SVP ist, weiß vor allem auch der Vereinsvorsitzende Ingolf Betker: „Mit unseren Finanzen geht sie als Vorstandsmitglied seit Jahren so akribisch und exakt um, dass wir immer genau wissen, was wir uns leisten können und was eben noch nicht“, fasst er zusammen.
Dazu gehöre auch, dass sie die Beitragskassierung (fast) komplett auf Bankeinzug umstellen konnte („nur noch zwei sind Barzahler“, sagt sie zufrieden). „Wir brauchen ja auch immer Geld für Extras wie Vereinsfeste, Ausstattung der Teams. Da bremst sie uns bisweilen und sagt auch bei anderen Dingen ihre Meinung“, lobt Betker und findet besonders wichtig, dass „sich eine Frau so im Fußball engagiert“.
Bei diesem Stichwort wagen wir doch mal einen Blick in die Archive. Seit 1997 vergibt der Fußballkreis Uckermark (bis 2014 getrennt in Ost- und West-Kreis) den Ehrenamtspreis. Tatsächlich ist Simone Höfert 2020 die erste Ostuckermärkerin, die so geehrt wird! In der Westuckermark war 2010 einmal Elke Loebke von Rot-Weiß Prenzlau auf diese Weise gewürdigt worden.
„Durch diese Arbeit im Verein, die bei uns wirklich auf viele Schultern verteilt ist“, wie die 54-Jährige immer wieder betont, „bleiben wir selbst aber auch jung“, freut sie sich – wenn die Funktion auch beileibe nicht immer sorgenfrei sei.
„Es wird teilweise immer schwieriger. Übergeordnete Verbände und Behörden verlangen immer mehr Papierkram, nun muss auch noch die Steuererklärung des Vereins digital erledigt werden. Dann kommt der
Vereinsvorsitzende und möchte einen eigenen Verfügungsfonds, was ich ihm regelmäßig ablehnen muss. Schiedsrichter werden uns ‚vom Ende der Welt’ geschickt und sind dadurch ziemlich teuer. Das Ansetzungsheft in Papierform, das wir kaufen müssen, ist im Zeitalter der Digitalisierung auch nicht mehr nachvollziehbar“, zählt Simone Höfert ein paar Dinge auf, die sie in ihrem Ehrenamt beschäftigen.

Dank an treue Unterstützer

Unterm Strich aber wünscht sie sich vor allem eines: „Dass wir getreu unseres Mottos ‚Einer für alle – alle für einen’ solch ein toller Verein bleiben!“ Aus dem SV Pinnow sei wirklich etwas ganz Besonderes geworden. Dass dafür auch unseren treuen Unterstützern großer Dank gebührt, möchte sie nicht nur nebenbei erwähnen, denn „sie halten auch in diesen nun ganz schweren Zeiten zum Verein“, ist Simone Höfert am Ende dieser sportlich zwar erfolgreichen Pinnower Monate (mit Wiederaufstieg der Ersten in die Landesklasse), aber des sonst so unfassbaren trüben Jahres allenthalben weiter optimistisch.