Es ist wieder Kirmes in Schwedt: Obwohl das Stadtfest in diesem Jahr wegen der Pandemie ausfällt, dürfen die Bürger jubeln, denn auf ihren Jahrmarkt brauchen Jung und Alt nicht zu verzichten. Das Riesenrad mit seinen 38 Metern Höhe lässt die Schwedter auch in der Krise einen Blick aus der Vogelperspektive von ihrer Stadt erhaschen.
So kommen die Schwedter am kommenden Wochenende auch zum Feiern. Denn mit dem Konzept hat Kirmes-Chef Joe Probst sowohl das Gesundheitsamt als auch Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl und sein Team im Rathaus überzeugt. „Es ist mit Abstand das beste Fest des Jahres in Schwedt“, sagt er mit einem Schmunzeln. Dabei nutzt er den Begriff „Abstand“ gleich in mehrerer Hinsicht: Auf den Fahrgeschäften wie der Juke Box, dem angeblich schnellsten Karussell Deutschlands, zum Beispiel wird er mit 1,5 Metern angegeben.

Die Leute haben genug von der Pandemie

Doch so viel möchte Probst gar nicht über die Pandemie sprechen. „Die Leute haben genug davon und wollen einfach einmal abschalten“, sagt er. Ganz Geschäftsmann wirbt er für den Jahrmarkt dann sogleich mit dem Spruch: „Wir bieten gegen Corona das beste Antidepressiva!“
Allerdings eins mit Hygiene-Konzept: So gibt es für die Fahrgeschäfte jeweils separate Eingänge und Ausgänge, damit sich die Fahrgäste nicht direkt begegnen. An den Buden, wo sich Kunden und Personal direkt gegenüberstehen, herrscht Maskenpflicht. Darauf verweist Probst auch stets, obwohl er das nicht immer gerne macht, denn so werden die Kunden doch wieder an die Pandemie erinnert. Dabei möchte er mit seinem Jahrmarkt doch Abwechslung und ein bisschen Abstand bieten.

Corona und Kirmes können zusammenpassen

Generell ist er froh, dass es wieder losgeht. Bis Juli waren den Schaustellern die Hände gebunden und sie waren dazu verdammt, kein Geld zu verdienen. Inzwischen hat Probst auf mehreren Plätzen und in einigen Städten bewiesen, dass Kirmes und Pandemie durchaus zusammenpassen – wenn alle Rücksicht nehmen.
Und das machen die meisten Besucher, hat er beobachtet. „Wenn die Gäste an den Buden anstehen, um sich etwas zu essen zu holen, achten viele schon von selbst auf den Abstand in der Schlange“, sagt er. Klar ist auch, dass der Festplatz an der Berliner Straße nicht so eng besetzt ist, wie es die Schwedter gewohnt sind.

Weniger Geschäfte, aber mehr Höhepunkte

„Ein Besuch lohnt sich trotzdem“, sagt Probst einladend. Denn sein Konzept, dass er mit weniger Geschäften aber umso mehr Höhepunkten den Festplatz bestückt, sei andernorts schon aufgegangen. Auch für Schwedt zeigt sich der Schausteller optimistisch: „Wir sind der Stadt seit vielen Jahren verbunden und sind immer zum Stadtfest hergekommen“, sagt er.
Schwedt ist die nördlichste Station für die Schausteller, die sonst eher in der Lausitz unterwegs sind – oder zumindest in der Region rund um die Lausitz. „Zuletzt waren wir in Görlitz und sind etwa 320 Kilometer hierhergefahren. Wenn wir hier abgebaut haben, geht es wieder 250 Kilometer nach Süden, wo wir unsere Geschäfte in Lübben aufbauen“, erklärt Probst.

Schausteller erwarten weniger Besucher

Mitgebracht haben Probst und das Team der Schausteller um ihn herum zahlreiche Geschäfte. „Dass wir zum Teil Schausteller weniger sind, werden viele gar nicht merken“, sagt Probst überzeugt und überzeugend: Denn etliche Angebote sind zum Stadtfest in anderen Zeiten doppelt da. Er geht aber davon aus, dass der Jahrmarkt bei weitem nicht die Strahlkraft hat, als würde er parallel zum Stadtfest stattfinden.
„Wir erwarten weniger Besucher“, sagt er. Das sei an den anderen Standorten auch so gewesen und daher sei auch das Konzept mit den Abständen stets aufgegangen. Auch wenn am Wochenende in Schwedt ein bisschen Feierstimmung aufkommen dürfte, bis „in die Puppen“ geht das Jahrmarkt nicht. Wegen der Pandemie endet das Fest Freitag und Sonnabend schon jeweils um 22 Uhr. Am Sonntag bauen die Schausteller schon wieder zeitig am Abend gegen 19 oder 20 Uhr ab, wenn der Familientag mit seinen zahlreichen Ermäßigungen vorbei ist.