Trockenheit bringt Störche dazu, ihre Eier im Nest zu zerstören. Gäste vom Gasthof zur Linde in Criewen beobachten, wie Störche eines ihrer Jungen tothacken und aus dem Nest werfen. Störche, die dicht am Straßenrand Nahrung suchen, kollidieren beim Auffliegen mit Fahrzeugen. Im Sturm weht es einen noch nicht flugbereiten Jungstorch vom Nest in Meyenburg. Diese Beispiele von Erlebnissen mit Störchen sind sympthomatisch.
Es ist das 7. schlechte Storchenjahr hintereinander, das die Ostuckermark in diesem Jahr ereilt. Die Zahl von 50 Horstpaaren im vorigen Jahr ist erneut gesunken. Aktuell hat Uwe Schünmann, ehrenamtlicher Storchenbeauftragter im Altkreis Angermünde, nur noch 44 Weißstorch-Paare gezählt, die zwischen Stolpe und Tantow in der Region am Nationalpark gebrütet haben. Die Zahl der erfolgreich aufgezogenen Jungstörche sank von 98 im vorigen Jahr auf nun 81. Nach den Höhenflügen der Statistik in den 90er- und 2000er-Jahren mit bis zu 68 Paaren und 114 Jungstörchen erlebt die Region am Nationalpark jetzt einen steten Abwärtstrend. Viele der Nisthilfen, um die sich Storchenfreunde und Naturschützer in den vergangenen jahren gekümmert haben, damit in jedem Dorf wie früher wieder mindestens ein Storch klappert, sind nun verwaist oder ohne Bruterfolg.
"Einziger Lichtblick war in diesem Jahr, dass es in Casekow seit vielen Jahren wieder Störche gab und ein Jungstorch überlebt hat", sagt Schünmann. Der Naturwächter, der in seiner Freizeit seit vielen Jahren die Störche erfasst und zusammen mit Firmen und Unterstützern für das Aufstellen oder Ausmisten von Nisthilfen sorgt, macht als Hauptgrund für den Rückgang der Störche die Monokultur in der Landwirtschaft verantwortlich. "Wenn auf den Feldern nur noch Mais und Raps als nachwachsende Rohstoffe zur Energiegewinnung stehen, die auch noch gespritzt werden, dann findet der Storch da keine Mäuse oder Insekten mehr", sagt Schünmann.
Nahrung wird zur  Mangelware
Landwirte, die Brachen stehen lassen oder ohne Insektizide arbeiten, gäbe es kaum noch. "Nicht umsonst stochern die Störche am Straßenrand herum, wo die letzten Streifen mit Wildblumen stehen, um dort überhaupt noch Nahrung zu finden", sagt er.
Die ausgeräumte Landschaft ist nach Meinung von Schünmann aber nicht der einzige Grund dafür, dass immer weniger Störche in die Region zurückkehren. Die Trockenheit lässt sonst feuchte Wiesen austrocknen oder verwandelt Gewässer wie die Welse in Rinnsale. Würmer, Frösche, Kleinsäugetiere oder Insekten als Nahrung für den Storch und seine Jungen werden rar.

Weißstorcherfassung 2019


In der Ostuckermark gibt es 44 Horstpaare, davon 33 mit Bruterfolg. 81 Jungstörche wurden groß gezogen, das sind 1,8 pro Paar und damit zu wenig, um den Bestand zu halten. Pro 100 Quadratkilometer gibt es 44 Storchenpaare.In Schwedt gibt es das zweite Jahr in Folge keinen Bruterfolg. Im Nest Vierradener Straße nistete ein Brutpaar, aber ohne Erfolg. Auf dem Rand des Nestes fand man drei Eier. Die Nester Schloßwiesen und Ortseingang blieben leer.

In Criewen gibt es die meisten Störche. Fünf Maste waren mit Horstpaaren besetzt, die insgesamt 12 Jungvögel aufzogen. In Zützen gab es zwei Horstpaare mit drei Jungen, Welsow und Crussow hatten Viererbruten im Nest.  md