Der Ermelerspeicher ist jedem Schwedter ein Begriff. Das Backsteinhaus ist eines der wenigen Bauten, das sowohl die Bombeneinschläge des Zweiten Weltkriegs als auch den Abriss des Scheunenviertels in den 60er- und 70er-Jahren überstanden hat. Seit 2005 ist in dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert die Stadtbibliothek untergebracht.
Doch wenige wissen um die facettenreiche Persönlichkeit seines Erbauers Wilhelm Ferdinand Ermeler. Der Berliner Tabakfabrikant und Großhändler wird 1784 in bescheidene Verhältnisse hineingeboren. Seine Eltern lassen sich scheiden, er wächst bei der Großmutter auf. Ermeler absolviert eine Lehre zum Kaufmann und gründet bereits mit 24 Jahren unter der Besatzung Napoleons in Berlin seine erste Tabakfabrik. Den Rohtabak bezieht er auch aus Schwedt. In einer eigens errichteten Tabakhalle, dem Ermelerspeicher, trocknen die großen Blätter, bevor sie zu Pfeifentabak weiterverarbeitet werden. Ermeler entscheidet sich nicht ohne Grund für Schwedt. Dort wird bereits seit dem 17. Jahrhundert Tabak angebaut. In der Stadt angesiedelte hugenottische Familien kultivierten den Anbau der Tabakpflanze. Als Wilhelm Ermeler auf die Oderstadt aufmerksam wird, ist die Schwedter Umgebung längst ein bedeutendes Anbaugebiet. Durch Ermeler floriert das Geschäft mit dem Tabak weiter.
Bei der Vermarktung seiner Produkte geht er mit Einfallsreichtum vor. So fügt er jedem Päckchen Tabak einen Vers hinzu. Das Motto: "Wo kommt der beste Tabak her, merk auf mein Freund, von Ermeler!" Die Werbestrategie kommt an und bald wird Ermeler zum erfolgreichsten Tabakfabrikanten Berlins und wird reich davon.
Mit einem Teil des Geldes unterstützt er Künstler. So lässt er sich und einen Teil seiner Familie 1850 anlässlich der Taufe eines Enkels von dem Maler Wilhelm Nerenz malen. Das Gemälde befindet sich heute im Schwedter Stadtmuseum. Auch lädt er zu Gesangsabenden in sein im Rokoko-Stil eingerichtetes Berliner Anwesen in der Breiten Straße ein. In seiner Freizeit umgibt er sich mit Persönlichkeiten des Berliner Kulturlebens.
Ermeler ist auch selbst künstlerisch tätig. Im hohen Alter malt er Aquarelle. Die Briefe, die er bei einem Kuraufenthalt in Italien an seine Familie verfasst, gibt er als Buch heraus. Als sein Wohnhaus abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut wird, findet man im Fundament ein Tagebuch aus seiner Jugendzeit. Es zeigt einen nachdenklichen jungen Mann, der schreibt: "Rückblickend habe ich zu viele Tränen geweint, wo ich hätte frei und heiter sein können."
Stadtverwaltung und Rosemaria Zillmann planen eine Publikation zu den Persönlichkeiten.