Als „absolut unfair“ bewertet die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) das finanzielle Angebot der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde für die 40.000 Beschäftigten in der Papier erzeugenden Industrie. Wie Rolf Erler, Leiter des Bezirks Berlin-Mark Brandenburg der Gewerkschaft, erklärte, sehe dies auch die große Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Leipa in Schwedt so. Einige von ihnen brachten ihren Unmut spontan zum Ausdruck, indem sie sich vor einer Werbetafel ihres Arbeitgebers fotografieren ließen. Dabei hielten sie ein Banner mit der Aufschrift: „Das nennt ihr fair?“
Die Devise für das Unternehmen müsse lauten: „Nicht nur in Maschinen, sondern auch in die Beschäftigten investieren!“, sagt Erler. Die Gewerkschaft habe angesichts der Corona-Pandemie in diesem Jahr bewusst darauf verzichtet, eine Forderungen mit einer festen Prozentzahl zu formulieren. Wirtschaftlich gehe es den Betrieben je nach Produktsegment sehr unterschiedlich.

Leistungen auch in der Krise wertschätzen

Für den Standort Schwedt heiße das: während die Maschinen für die Erzeugung von grafischem Papier nur mit Einschränkungen laufen, ist der Verpackungsbereich weniger betroffen. Die Leistungen der Beschäftigten gerade auch in der Krise müssten nun Wertschätzung erfahren: ein Einkommenserhöhung zur Stärkung der Kaufkraft sowie ein Corona-Bonus als Sonderzahlung sei angemessen. Die Gewerkschaft und die Beschäftigten sind sich bewusst, dass es derzeit keinen Raum für hohe Ergebnisse gibt, aber es muss deutlich mehr sein als bisher von den Arbeitgebern angeboten wird!
Das Tarifangebot der Arbeitgeber nach der zweiten Verhandlungsrunde beinhaltete 300 Euro „Corona-Bonus“ sowie eine Erhöhung der Löhne um 1,3 Prozent ab 1. April 2021 bei einer Gesamtlaufzeit bis 31. August 2022, also insgesamt 24 Monate. Am 27. Oktober sollen die Tarifverhandlungen in Frankfurt am Main fortgesetzt werden.