Der Job von Siegfried Richter ist nicht jedermanns Sache. Der 51-Jährige stieg diese Woche im Taucheranzug in die Faulbehälter im Klärwerk des Zweckverbandens ZOWA, um die Anlage ohne umständliches Ablassen und Reinigung im laufenden Betrieb zu inspizieren.
Der erfahrene Kampf- und spätere Diamantentaucher sieht dabei nichts, ist von 37 Grad warmem Schlamm umgeben und tastet sich an der Kesselwand, an Mischern und Aggregaten entlang bis zum Boden des 18 Meter hohen Behälters, um Schlammablagerungen, Schäden oder Fremdkörper aufzuspüren. „Der Job ist nicht ungefährlich und nichts für Leute mit Platzangst“, erklärt der Hamburger ganz gelassen. Der Taucher ist beim Einstieg in die 60 Zentimeter große Luke an eine Winde angeseilt, an zwei Atemluftkompressoren angeschlossen und hat eine zusätzliches Druckluftgerät dabei. Zum Sicherungsposten besteht Telefonkontakt, ein zweiter Taucher wartet einsatzbereit an der Einstiegsluke für Notfälle.
„In den Behältern sind jeweils 1800 Kubikmeter Klärschlamm, der in den Türmen ausfault und Methangas erzeugt. Das Ablassen, Reinigen und Wiederanfahren der Anlage würde viel aufwendiger und teurer werden als der Einsatz der Taucher“, erklärt Jens Arnold vom ZOWA.
Beim Tauchen wurden an einigen Stellen zu starke Ablagerungen an den Wänden der?im Durchmesser 13 Meter dicken Behälter gemessen. Diese hofft der Verband ebenso durch den Einsatz der Taucher entfernen zu können. Die Faultürme sind seit 17 Jahren in Betrieb, ihr Betrieb ist auf 50 Jahre ausgelegt.