Es klingt wie ein Hirngespinst: Eine Transrapid-Magnetschwebebahn in der Uckermark. Diese Pläne gibt es tatsächlich, ein Berliner Wirtschaftsberater stellte sie in Stettin als erste Ausbaustufe für eine geplante Strecke Warschau-Stettin-Schwedt-Berlin vor.
Armin Geyer aus Berlin steckt hinter den Plänen. Der Berliner nennt sich Kommunal- und Wirtschaftsberater, arbeitet im Rotary-Länderausschuss Polen-Deutschland. Bei einem Treffen des deutsch-polnischen Wirtschaftskreises in Stettin stellte er seine Idee einer Magnetschwebebahn zwischen dem neuen Berliner Flughafen BBI und Stettin vor. Seine Argumente: 120 Kilometer Entfernung in 15 Minuten Fahrtzeit, der neue Airport erweitert sein Einzugsgebiet um eine Million Menschen aus dem Stettiner Großraum, Berlin wird für pendelnde Fachkräfte aus Stettin interessant. Er hält 40 000 Pendler als Passagiere für realistisch, beziffert die Kosten auf 1,2 Milliarden Euro. Um für die in Deutschland bisher verschmähte Technologie der Magnetschwebebahn eine Bresche zu schlagen, wirbt er für eine erste Ausbaustufe von 45 Kilometern zwischen Stettin und Schwedt in acht Minuten Fahrzeit. Mit Umstieg auf die normale Bahn wäre man von Stettin in weniger als einer Stunde in Berlin. "Damit könnten die Polen in Stettin leben und nach Berlin zur Arbeit pendeln", so Armin Geyer.
Den Stettiner Stadtpräsidenten konnte Geyer für eine Probefahrt auf der Teststrecke des Transrapid im Emsland gewinnen. Präsident Piotr Krzystek zeigte sich danach positiv beeindruckt und sprach vorsichtig höflich von einer "großen Herausforderung". Schwedts Bürgermeister, der beim Wirtschaftstreffen davon erfuhr, reagierte ähnlich: "Es klingt so visionär, dass es schwer fällt, darauf zu reagieren", so Jürgen Polzehl. Er gibt aber zu, dass er die Vorstellung für Schwedt schon verlockend findet.
Am 10. Mai wird Armin Geyer im Radisson-Hotel in Stettin das Konzept den vier Rotary-Clubs der Stadt vorstellen. Er sei gegenwärtig auf der Suche nach Unterstützern, die eine Machbarkeitsstudie für seine Idee finanzieren. "Fakt ist, wenn es sich rechnet, wird es private Investoren geben, die das finanzieren", so Armin Geyer.
"Das ist vollkommener Unsinn, ein Hirngespinst", findet Andreas Schwarze vom Fahrgastverband Pro Bahn. Er beziffert das derzeit reale Passagieraufkommen zwischen Berlin und Stettin auf 700 Fahrgäste in der Woche und 1500 an den Wochenenden, vielleicht noch 1000 Leuten, die parallel mit Shuttles und Bussen unterwegs sind. Anstatt solchen Träumen nachzujagen, will er den Bund und die Bahn für den Ausbau der bestehenden Zugverbindung gewinnen. "Wir brauchen regelmäßige, verlässliche Verbindungen, das wäre schon super", so Andreas Schwarze.
Für Wissenschaftler wie Professor Peter Mnich von der TU Berlin wären normale Züge nur die zweite Wahl: "Was in China und Japan gebaut wird, das muss man doch mal betonen, sind deutsche Ingenieurleistungen und deutsche Patente. Wir entwickeln beste Produkte und Technologien und sind nicht in der Lage, sie hier umzusetzen. Wenn man Verkehrswege der Zukunft baut, zum Beispiel Richtung Polen, sollte man auch auf zukunftsfähige Technik setzen."
Ralf Effenberger von der Transrapid-Gesellschaft IABG hat die Idee der Strecke Berlin-Stettin untersucht. Der Transrapid wäre schneller, leiser, umweltverträglicher, weniger landschaftszerschneidend als die Bahn auf Schienen am Boden. "Wenn man da in die Bahn investieren will, wäre der Transrapid die bessere Lösung", so Ralf Effenberger. Er jedoch hält Kosten von drei Milliarden Euro für realistischer.