Beim Zusammenstoß mit einem Lkw wurde der 29-jährige Fahrer des VW Polo lebensgefährlich verletzt. Der Unfall ereignete sich in der spitzen Kurve in Krajnik Dolny, wenige Hundert Meter vom Grenzübergang entfernt. Ein polnischer Rettungswagen ist zur Erstversorgung vor Ort. Wenig später ruft ein Pole per Handy in der Leitstelle Eberswalde an und bittet in gebrochenem Deutsch um Hilfe bei einem Unfall an der deutsch-polnischen Grenze. Was daraufhin folgt, sieht für Außenstehende abenteuerlich aus. Der polnische und der deutsche Rettungstransportwagen treffen sich an der Grenzbrücke, der Verletzte wird von einem ins andere Fahrzeug umgeladen. Mit deutschem Blaulicht geht es anschließend ins Schwedter Klinikum.
Bei dem Verletzten handelt es sich um einen Berliner. Als die Unfallhelfer mit den Eltern des jungen Mannes Kontakt aufnehmen, bitten diese die Polen inständig, ihren Sohn in ein nahegelegenes Krankenhaus in Deutschland zu bringen. Doch das darf der staatliche polnische Rettungsdienst nicht. Wie in Deutschland sind die Kollegen dort verpflichtet, ins nächstgelegene Krankenhaus zufahren, das dem Patienten helfen kann. Das wäre auf polnischer Seite in die eine Stunde entfernte Uni-Klinik Stettin. Der Weg ins Schwedter Krankenhaus: zehn Minuten. Doch der ist für polnische Rettungswagen problematisch. Sie verfügen über keine ausreichend hohe Auslandshaftpflichtversicherung. Die "Übergabe" an der Grenze sei daher eine "gängige Praxis", bestätigt Leiststellen-Chef Sven Kobelt. Er verweist auf nach wie vor fehlende Regelungen diesbezüglich zwischen Deutschland und Polen. Nur deutsche RTW können bei Bedarf auch nach Polen fahren. Bevor der polnische RTW den lebensgefährlich Verletzten einfach ins nahegelegene Schwedter Krankenhaus bringen darf, müsste Polen sein Rettungsdienstgesetz ändern. Das Abkommen zwischen Deutschland und Polen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst ist zwar 2011 unterzeichnet worden. Es harrt jedoch nach wie vor seiner Umsetzung.
Der junge Mann aus Berlin war so schwer verletzt, dass er aus Schwedt sofort ins Unfallklinikum Marzahn ausgeflogen wurde. "Im Interesse der Menschen, die in Notfällen schnellstmögliche Hilfe brauchen, sollte die Politik das Problem schnellstmöglich lösen", sagte Prof. Dr. Rüdiger Heicappell, Ärztlicher Direktor des Asklepios Klinikum Uckermark.