Die Verkehrsanbindung des Wirtschaftsstandortes Schwedt könnte sich zumindest auf der Schiene verbessern. Das Land plant gemeinsam mit Vertretern der Bahn und Schwedter Wirtschaft den Bau eines neuen Bahngleises.
Die Arbeitsgruppe ist beim Verkehrsministerium angesiedelt und hat zum Ziel, die Bahnanbindung nach Schwedt zu verbessern. Im Kern geht es um den Bau eines neuen Bahngleises von der Hauptstrecke Berlin-Stettin bis Schwedt. Momentan gibt es zwei. Ein Gleis zweigt in Angermünde ab zum Bahnhof Schwedt. Es wird für den Personenverkehr des RE 3 und den zunehmenden Güterverkehr von Leipa und Hafen genutzt. Ein zweites Gleis führt hinter Passow direkt  in die PCK Raffinerie.
Anstoß für die Arbeitsgruppe gab der neue Hauptgesellschafter der PCK. Rosneft sei bereit, in Schwedt weiter zu investieren, signalisierte der Chef des russischen Ölkonzerns, Igor Setschin, bei seinem Besuch im Januar 2018 in Schwedt. Ministerpräsident Dietmar Woidke sicherte ihm damals Unterstützung zu für eine Verbesserung der Verkehrsanbindung. Zur Koordinierung  der Maßnahmen setzte Woidke einen Sonderbeauftragten ein. Zweimal hat die Arbeitsgruppe „PCK Rosneft Schienenanbindung“ bereits getagt.
Die Raffinerie will vor allem die Sicherheit ihrer Produktströme erhöhen und im Falle einer Havarie über eine Alternative verfügen. Mehr als 60 Prozent ihrer Produkte verlassen PCK über die Schiene. Im Jahr sind das mehr als 100 000 Kesselwagen mit insgesamt knapp sieben Millionen Tonnen Benzin, Diesel, Heizöl und anderen Produkten. Schon einmal war das Gleis blockiert, als sich eine Havarie in Stendell ereignete. Neben einem zweiten Gleisanschluss interessieren sich die Russen aber auch für den Hafen. Der Hafen selbst, derzeit über das Gleis mitten durch  Schwedt sowie über Leipa-Gelände erschlossen, ist ebenfalls an einem direkten Anschluss interessiert. Zudem kündigte Leipa den Anstieg seiner Transporte auf der Schiene an. Die Produktionssteigerung durch die neue Papiermaschine 5 soll zu großen Teilen mit Zügen Schwedt verlassen. Das Gleis durch Schwedt stößt aber schon jetzt an seine Kapazitätsgrenze. Auch die Stadt hofft auf ein neues Gleis. Eine Entlastung des Stadtgleises minimiere die Lärmbelastung der Anwohner und schaffe Zeitfenster für mehr RE 3-Züge, argumentiert Bürgermeister Jürgen Polzehl.
Sogar die Weiterführung des Gleises nach Polen wird in der Arbeitsgruppe behandelt. Leipa sieht dafür Bedarf für seine Kunden im Osten und Norden. Polen hätte, anders als bisher bei einer neuen Straße über die Grenze, sogar Interesse. Im Konzept zum Ausbau der grenzüberschreitenden Metropolregion Stettin ist von einem möglichen Neubau einer Verbindung von Stettin über Gryfino und Schwedt nach Berlin die Rede. Experten rechnen mit Kosten von 80 Millionen Euro für das neue Gleis von Passow bis Schwedt und über die Grenze.  Ob und wann es gebaut wird, ist aber noch unklar. „Es wird eine Nagelprobe, ob das Land es ernst meint“, sagt Polzehl. Im Januar ist die nächste Sitzung geplant.