Jeder kennt die Bilder: Mit dem Mobiltelefon am Ohr eiert ein Autofahrer einhändig durch die Stadt. Er ist abgelenkt, eine scharfe Bremsung. Beinahe hat er den Radfahrer beim Abbiegen übersehen. Solche und ähnliche Szenen spielen sich täglich auf den Straßen der Uckermark ab. In vielen Fällen geht es erstaunlicherweise gut. Doch es gibt auch tragische Augenblicke, wenn jemand nach seinem herabgefallenen Telefon im Fußraum des Autos angelt und gegen einen Baum prallt. Oder wenn ein Wagen mit irrsinniger Geschwindigkeit ins Ende eines Staus rast, weil er die Warnblinkanlagen kaum wahrnimmt.
„Runter vom Gas“, lautet daher eine Initiative des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Die Kampagne läuft schon seit Jahren und soll helfen, die Zahl der Toten und Verletzten in der Bundesrepublik zu reduzieren. „Runter vom Gas“ heißt es aber nicht nur auf großflächigen Plakaten an Autobahnen oder Bundesstraßen. Auch in den Städten werden solche überdimensionalen Banner aufgestellt. Sie sind gut lesbar und lenken nicht vom Verkehr ab.

Finger weg vom Handy

„Wir werben damit für mehr Rücksicht zwischen allen Verkehrsteilnehmern“, sagt Jörg Vogelsänger. Der frühere Minister und jetzige Landtagsabgeordnete ist gerade Präsident der brandenburgischen Verkehrswacht geworden. Vogelsänger kommt extra in die Uckermark, um die ersten Banner in Städten aufzustellen. „Finger weg vom Handy“ lautet eine Warnung, die neuerdings an der stark befahrenen Kreuzung gegenüber vom Prenzlauer Amtsgericht steht. Weitere Banner werden jetzt in Schwedt und Angermünde aufgestellt.
Die kurze Erinnerung soll dazu führen, sich die alltägliche Lebensgefahr ins Bewusstsein zu rufen. Am meisten gefährdet sind Fußgänger und Radfahrer. Doch auch um deren eigenes Verkehrsverhalten geht es. Denn inzwischen überschätzen manche Radler ihre Hochleistungs-E-Bikes. Es gibt Berichte, die sogar von einfach über die Kreuzung zischenden Krankenfahrstühlen handeln. Einzelne Radrennfahrer bleiben auch stur auf der Straße, obwohl gleich daneben ein gut ausgebauter Radweg verläuft.

Schulung für Senioren

„Normalerweise sind Radfahrwege nicht unser Thema“, sagt Uwe Schmidt, Vorsitzender der Verkehrswacht Uckermark. „Aber wir müssen sehen, dass wir sie auch in der Fläche herbekommen. Und natürlich spielen bei den Planungen die Eigentumsrechte eine Rolle.“
Ein Kollege der Verkehrswacht kümmert sich ausschließlich um die immer stärker werdende Bevölkerungsgruppe der Senioren. Oma und Opa sitzen heute nicht mehr an der Ofenbank und stricken. Sie sind mobil, haben Fahrerlaubnis, machen unentwegt Ausflüge. Die Lebensqualität hat sich völlig verändert. Schulungen werden deshalb von Senioren sehr gern angenommen, so Uwe Schmidt.
Zurzeit laufen ebenso Schulungen für die Erstklässler, um den Weg zum Unterricht zu sichern. Was sich morgens mitunter in Schulbussen und drumherum abspielt, ist kreuzgefährlich. Und die Bürgerstiftung unterstützt gerade Aktivitäten in Prenzlau, die mit Flüchtlingsfrauen Radfahren üben und ihnen Verkehrszeichen beibringen.

Rücksichtnahme abhanden gekommen

Sicherheitsvorsorge also an allen Fronten. Aber hilft das am Ende, die Zahl der Verletzten durch Unfälle zu begrenzen? „Ich denke schon“, sagt Daniel Steinmetz von der Präventionsabteilung der Polizeiinspektion Uckermark. „Wir ermitteln immer wieder bestimmte Unfallschwerpunkte. Und dazu gehören auch solche Ursachen wie Drogen, Alkohol, Vorfahrt oder die Ablenkung durch technische Geräte.“
An alle Verkehrsteilnehmer appelliert der Prenzlauer Bürgermeister Hendrik Sommer. „Jeder kennt Paragraf 1 der StVO. Doch man hat in letzter Zeit den Eindruck, dass Rücksichtnahme etwas abhanden gekommen ist.“
Die Verkehrswacht Uckermark will ihre Aktivitäten ausweiten. Und sucht dafür noch Mitstreiter, die sich ehrenamtlich für Leben und Gesundheit anderer Menschen einsetzen wollen.