Er hat sie fast alle vor der Kamera gehabt und seine gesammelten Schätze in Alben verstaut. Jedes Foto ist in eine Folien-Tasche geschoben. Die Bilder zeigen den Bau vieler großer Schwedter Gebäude: Das Ärztehaus im Viertel am Waldrand, das Parkdeck neben der Arbeitsagentur. Die Arbeiten auf der großen Aquariumsbaustelle füllen sogar ganze zwei Alben.
Und das, obwohl der 59-Jährige beim Bau 1998 überhaupt nicht zu Dokumentationszwecken angestellt war, sondern als Baumaschinist einen Kran zu führen hatte. Mit diesem Betonkübel und andere schwere, sperrige Dinge von einem Ort zum anderen heben musste. Und außerdem hier und da die freigelegten Schächte mit Kies auffüllte. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, die Baustelle immer wieder mit seiner Spiegelreflexkamera zu fotografieren.
"Mich interessiert, wie ein Gebäude wächst", sagt Ferdinand Walter. "Wenn ich aus den Bildern einen Film schneiden würde, dann sähe ich die Entstehung des Gebäudes im Zeitraffer." Tatsächlich: Beim Umblättern der Folienfenster wächst das Aquarium. Noch liegen die Rohre frei, die heute für die Wasserstrudel im Spaßbad sorgen, schon ist ein richtiges Becken aus gegossenem Beton entstanden. Schicht für Schicht zeigen die Bilder, wie die Badelandschaft entsteht, die seit 15 Jahren Groß und Klein die Freizeit mit Planschen und Saunieren versüßt.
Ferdinand Walter hat vom Kran aus abgedrückt. Aus 17 Metern Höhe entstanden die Aufnahmen des Schwimmbadbaus.
Ab und an hat er auch Kollegen abgelichtet. Zu sehen sind Zimmermänner, die ebenfalls am dreimonatigen Rohbau beteiligt waren, aber auch Handwerker des Innenausbaus, der teilweise gleichzeitig stattfand. "Das war eine gute Zeit mit den Jungs", erinnert sich Ferdinand Walter. "Nach der Arbeit haben wir das ein oder andere Mal zusammengestanden und ein Bier getrunken." Zum Fotografieren ist Walter durch eine Herde Rinder gekommen. Eigentlich wollte er Kfz-Mechaniker werden. Doch er bekam in seiner Heimatstadt Ballin bei Neubrandenburg nur einen Ausbildungsplatz im Bereich Zootechniker. In seinem Internat gab es einen Fotozirkel. Die Auszubildenden trafen sich zum Fotografieren, wurden vom Heimleiter angeleitet. Ferdinand Walter war 17 Jahre alt, als er dazu stieß. Zu Beginn wurden die zwei Kameras von acht Auszubildenden genutzt. Am Schluss blieb Walter als einziger übrig. Die anderen verließen den landwirtschaftlichen Betrieb oder gaben das Hobby wieder auf. Und so hatte Ferdinand Walter auf einmal zwei Kameras und eine Dunkelkammer ganz für sich allein.
Den Beruf wechselte der heutige Passower noch einmal, doch seine Leidenschaft für die Fotografie ist ihm geblieben. "Ich mache Bildern von Architektur, Natur und Menschen", sagt Walter.
Die Fotos vom Aquarium hat er auch deshalb geschossen, damit er sie mal seinen Enkeln zeigen kann. Die sind jetzt längst auf der Welt. Lennya (9) und Luis (7) wohnen eigentlich in Kiel. Aber wenn sie die Großeltern besuchen, dann gehen sie mit Opa immer einmal ins Aquarium. Da planschen sie in den Wasserwirbeln oder rutschen die große Rutsche hinab. Wenn sie am Aquarium ankommen, sagen die Enkel dann manchmal: "Guck mal Opa, da hast du mitgebaut."