Im Gebrauchtwarenladen muss es richtig billig sein, glauben einige. Günstiger als bei den großen Möbelhäusern. Dies gilt aber nicht für alle Waren. "Wir haben oft einen höheren Arbeitsaufwand als ein herkömmliches Möbelgeschäft", erklärt Hartmut Richter, Geschäftsstellenleiter des Möbelhauses in der Karthausstraße 12. Der Handel mit Einzelstücken sei aufwändiger. So müsse jedes Möbelstück im Laden aufgebaut und bei Verkauf wieder abmontiert werden. Bei Möbelhäusern, die Massenware verkaufen, gebe es hingegen immer ein Ausstellungstück, der Rest befände sich abholbereit im Lager, so Richter. Der Reiz an Second-Hand sei aber vor allem, nach besonderen Schätzen zu suchen, die nicht auch in unzähligen anderen Wohnungen stehen.
Ein weiterer Punkt zum Kostenfaktor: Oft würden in einem Second-Hand-Geschäft Waren angeboten, die noch qualitativ hochwertig produziert wurden. "Unser Verkaufspreis errechnet sich aus Originalpreis und Zustand", erklärt Richter.
Als Gebrauchtwarenhändler erlebe man so einiges, berichtet der Geschäftsstellenleiter: Einmal habe eine Frau angerufen, die ihre komplette Wohn- und Schlafzimmereinrichtung loswerden wollte. Die Möbel hätten insgesamt mal einen Wert von 10 000 Euro gehabt und seien gut in Schuss gewesen, so Richter. Der einzige Grund, warum die Frau sich von ihnen trennen wollte, war, dass ihr die Farbe irgendwann eine Spur zu dunkel gewesen war. Oder da war die Ärztefamilie, die nur mit Koffern nach England auswanderte und ihre tadellosen Möbel einfach zurückließ.
Natürlich gibt es im Möbelhaus von Dieter Zeschke auch jede Menge Schnäppchen. Seit September befindet es sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Plus-Marktes. Der Eingang liegt etwas versteckt im Hinterhof. Zuvor hatte es sich in der Karthausstraße 7c befunden. Die Verkaufsfläche mit 450 Quadratmeter lädt zum Stöbern ein: Sofas, Sessel, Schränke und Elektrogeräte. Kleidung, Tischtücher und Geschirr. "Wer möchte, kann bei uns seine ganze Wohnung einrichten", sagt Richter. So arbeitet das Geschäft auch immer wieder mit dem Landkreis zusammen und stattete 2014 mit öffentlichen Geldern mehr als 20 Flüchtlingsunterkünfte mit der ersten Einrichtung aus.
Die Möbel beziehe das Geschäft meist von privat. "Unsere Klientel ist ganz unterschiedlich", sagt der Geschäftsstellenleiter. "Mal werden wir gerufen, weil eine Familie ihr altes Sofa loswerden will. Mal lösen wir für einen Senioren, der ins Pflegeheim geht, den Haushalt auf." Die sieben Angestellten plus Chef bieten eine Menge Dienstleistungen an: Von Möbelmontage über Entrümpelung bis zur Umzugshilfe. Seit Neuestem vermieten sie auch Kinderwagen und -betten. "Das Angebot richtet sich an Großeltern. Nur für die Besuche der Enkel lohnt sich eine Anschaffung von Kinder-Mobiliar oft nicht."
Bevor die Sachen in den Verkauf gehen, werden sie begutachtet, sortiert und gereinigt. Das ein oder andere Schätzchen, wie eine wertvoll aussehende Vase, oder ein Gemälde bleibt aber unter Verschluss. "Wir suchen noch nach Experten, die den Wert der Stücke einschätzen können", sagt der Leiter.
Richter, der vormals Verkaufsleiter der insolventen Mercedes-Benz-Vertretung Weilbacher in Eberswalde war, mag seinen neuen Job: "Ich werkele gern herum." Außerdem sei es spannend unterschiedliche Lebensverhältnisse zu sehen - vom Designer-Wohnzimmer bis zum Schlafzimmer mit nichts als Bett und Fernseher.
Soziales Möbelhaus: Karthausstraße 12, 03332 5816283