Bis auf wenige Ausnahmen fuhren die Schulbusse am Dienstagmorgen wie geplant in der Uckermark. Dem Aufruf zum ganztägigen Warnstreik der Gewerkschaft ver.di waren nur knapp die Hälfte der Fahrer der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft (UVG) gefolgt.
Mit den restlichen Fahrern und Mitarbeitern aus der Werkstatt und Verwaltung konnte das Verkehrsunternehmen fast alle Fahrten auf den Hauptstrecken zwischen Schwedt und Angermünde, Prenzlau und Gartz bedienen. Nur Stadtlinien wie in Templin und Schwedt fuhren erst ab 8 Uhr und danach im Stunden- statt im Halbstundentakt.

Hälfte der Busfahrer im Ausstand

Nach Angaben des Betriebsrates waren knapp die Hälfte der 50 Busfahrer des kommunalen Busbetriebes am frühen Morgen in den Streik getreten. Sie unterstützten die Forderung der Gewerkschaft nach einem bundesweiten Rahmentarif, der Arbeitszeiten, Urlaub, Überstundenregelungen, Nachwuchsförderung oder Zuschläge regelt.
„Den hatten wir vor mehr als 20 Jahren schon einmal. Mittlerweile sind viele alte Bundesländer viel weiter mit ihren Tarifregelungen für die Beschäftigten“, sagt Burkhard Kuhl vom Betriebsrat. „Wir wollen, dass die Ungleichbehandlung in den Ländern beendet wird und eine echte Wertschätzung unserer Arbeit statt nur schöne Reden von Politikern, die eine Verbesserung des ÖPNV fordern. Dafür muss die Politik auch das Geld bereitstellen.“

Uckermärkische Streiklösung

Die zirka 20 Streikenden vor dem Betriebssitz der UVG in Schwedt zeigten dennoch auch Verständnis für die uckermärkische Lösung des Warnstreiks. „Wir haben nun mal riesige Entfernungen in der Uckermark und unsere Busse sind für viele Menschen oft die einzige Möglichkeit, von A nach B zu kommen“, sagt Busfahrerin Katja Marunde vor dem UVG-Tor. „Jedem Mitarbeiter steht es frei, ob er sich am Streik beteiligt. Und es spricht ja auch für uns und unser Verantwortungsgefühl, dass der Schulbusverkehr trotzdem abgesichert wird“, sagt sie, „Wir kennen doch fast jeden Fahrgast persönlich und wissen, wen wir treffen.“ Auch auf ihrer Linie zwischen Casekow und Schwedt blieben die Schulkinder an diesem Tag nicht an der Haltestelle stehen, sondern wurden von einem anderen Fahrer sicher transportiert.
Schon am Vorabend hatte die Geschäftsführung des Verkehrsbetriebes für 19 ihrer 73 Routen Zusagen von Fahrern, die nicht streiken, oder Ersatzfahrer. Bis zum Morgen aktualisierte sie ihren Liveticker über die Busse, die fahren, auf 41.

Arbeitskampf mit Augenmaß

Die Schulen meldeten nur wenige Fälle von Schülern, die dem Unterricht wegen des Warnstreiks fernblieben. Die Dreiklangschule hatte ihre Schüler und Eltern im Vertretungsplan vorgewarnt, eventuell selbst die Anfahrt zu organisieren, das Gauß-Gymnasium ebenso. Am Morgen fehlten aber nur sehr wenige Schüler. In der Grundschule am Waldrand gab es gar keine Probleme mit den Landkindern. Nur aus Schwedt selbst kamen einzelne Schüler später oder nicht, weil die Stadtlinie früh nicht fuhr.
UVG-Geschäftsführer Lars Boehme war im Streikverlauf zufrieden, dass trotzdem noch so viele Busse fuhren. Auch er betonte, dass die Uckermark mit Augenmaß auf den Streikaufruf reagiert hätte und bat um Verständnis bei den Fahrgästen, die unter den Auswirkungen zu leiden hatten.