Die Verbio AG betreibt auf dem Industriepark bereits zwei Bioanlagen. Die eine erzeugt vorwiegend aus Roggen 200 000 Tonnen Bioethanol (Alkohol) im Jahr, die andere aus Raps jährlich 
250 000 Tonnen Biodiesel. Anlage Nummer drei, die jetzt hinter der Ethanolanlage gebaut wird, ist eine Biogasanlage.
Wer dabei jedoch an die bekannten 500 kW Anlagen mit großem grünen Gasbehälter auf Bauernhöfen denkt, irrt gewaltig. Was die Verbio in Schwedt baut, gleicht eher einer Raffinerieanlage des Nachbarn PCK. Für knapp 50 Millionen Euro entsteht im Norden der Stadt nicht weniger als die größte Biogasanlage der Welt. In der Ausbaustufe eins wurden sechs riesige, 8000 Kubikmeter große Tanks, sogenannte Fermenter gebaut, in denen künftig die anfallende Gärschlempe aus der Alkoholproduktion zur Methanproduktion eingesetzt wird.
Dieses Gas wird anschließend so gereinigt, aufbereitet und komprimiert, dass es in das Erdgasnetz der EWE eingespeist werden kann. Die Leitung dafür hat die EWE bereits gebaut. Schon in der ersten Ausbaustufe der Biogasanlage sollen rund 25 Millionen Kubikmeter Erdgas erzeugt werden, 50 Millionen Kubikmeter sollen es dann in der endgültigen Anlagengröße sein.
Die Bio-Raffinerie der ersten Stufe ist in ihren Ausmaßen und Anlagen bereits so gut wie fertig. Kilometerlange Leitungen, Stickstoffanlage, Sicherheitsfackel, Lager und Trocknung für die Düngemittelproduktion aus den Reststoffen – all das ist bereits errichtet. Im Herbst 2010 soll das erste Erdgas eingespeist werden. Derzeit finden Tests zur Funktionsweise und Dichtheit der Leitungen und Anlagen statt.
Die Verbio sieht in der Anlage mehrere Vorteile. Der Anlagenverbund mit der Ethanolanlage ermögliche eine 40 Prozent höhere Energieausbeute aus dem eingesetzten Biorohstoff im Vergleich zu herkömmlichen Bioethanolanlagen bei gleichzeitig 
40 Prozent geringerem Energieverbrauch. Auch der Wassereinsatz, der für die Alkoholproduktion enorm ist, kann in der Kombination von Ethanol- und Biogas-Anlage fast auf Null gesenkt werden. Und Verbio wirbt schon heute damit, mit der neuen Kombination zweier bewährter Technologien für eine deutliche CO2-Reduzierung bei der Biokraftstoff-Produktion zu sorgen.
Für die Region bedeutet die Biogasanlage auch lokale Wertschöpfungskette und eine gewisse Sicherheit der Landwirte zur Abnahme des Roggens. Freuen kann sich auch die Landbevölkerung, die in der Vergangenheit während des Ausbringens der Schlempe aus der Ethanolproduktion auf die Felder über Geruchsbelästigung klagte. Was von der Schlempe nach der Gasproduktion künftig übrig bleibt, soll zum Großteil in einen Bio-Dünger verarbeitet werden, der nach Verbio-Angaben deutlich trockener sein und nicht stinken soll.