Eingeladen hatte der Lehrer Sven Ketel, der an der Talsand-Gesamtschule Informatik, Mathematik und Physik unterrichtet und vielen in Schwedt durch seine Robotik-AG und die Lego-Roboter-Wettbewerbe für Schüler bekannt ist. Thema: Makerabend für Arduino-Mikrokontroller. Ein Bastlertreff, abends um 18.30 Uhr. Das Fachkabinett mit Laptops auf allen Plätzen war besser gefüllt als in mancher Unterrichtsstunde. Schüler anderer Schulen, junge und ältere Leute, Angestellte, Künstler, Rentner nahmen Platz und ließen sich von dem technikbegeisterten Lehrer anstecken.
Er erklärt das System der Arduino-Plattform. Ein einfacher Computer, der auch technisch weniger Versierten den Zugang zum Programmieren leicht macht. Gemeinsam üben die Bastler, mit einfachen Schaltungen und wenigen Programmzeilen, Leuchtdioden zum Blinken zu bringen oder kleine Servo-Motoren anzusteuern. Mit kindlicher Begeisterung und Neugier stecken die Teilnehmer Drähte und Widerstände auf Steckplatinen und verbinden sie mit dem Mikrokontroller. In der Programmiersprache C tippen sie einfache Anweisungen in die Tastatur. Hier fehlt noch ein Semikolon hinter dem Befehl, dort ist Plus und Minus vertauscht. Dann aber der Aha-Effekt: "Guck, es leuchtet", freut sich Filmemacherin Anja Freyhoff aus Stolpe, die zusammen mit ihrer Freundin Inga Carrière, eine 64-jährige Künstlerin aus Lüdersdorf, das erste Angebot dieser Art in der Region nutzen wollte.
Mit dabei auch Wolfgang Möller, ein Raketenfan, Brigitte und Horst Kanngießer, zu DDR-Zeiten leidenschaftliche Funker, oder Henning Wiesner, ehemaliger Lehrer, Amtsleiter in der Stadtverwaltung. "Friemeln und Basteln kann man auch allein zu Hause, Youtube-Tutorial angeschaut und nachgemacht. Und das alles gibt es auch fertig zu kaufen, aber darum geht es ja nicht", referiert Sven Ketel. Worum es geht, sieht man sehr schnell selbst. Die Bastler kommen mit ihm und untereinander schnell ins Gespräch. Sie helfen einander und tauschen sich aus. Hier, der Draht steckt noch nicht drin. Was willst Du bauen? Der eine träumt von einem selbst programmierten Helicopter, andere von einem Roboter oder ferngesteuerter Haustechnik. Sven Ketel reicht Kontaktkarten herum, auf denen auch andere Interessen wie 3D-Druck, Grundkurs Löten oder Logo-Roboter abgefragt werden.
"Ich hatte das mit der Öffnung der Schule als Technik-Stützpunkt schon lange vor. Wir haben doch die Ressourcen, die müssen nach der Schulzeit nicht ungenutzt herumstehen. Mein Hobby Technik und mein Beruf machen mir Spaß, ich erkläre gern. Für Musik, Zeichnen oder Sport gibt es jede menge Angebote. Aber für Technik nicht, obwohl danach die Wirtschaft ja immer ruft. Da die Schule mein Projekt unterstützt, dachte ich, dann mach ich es einfach", erklärt Sven Ketel.
Zur bestehenden Robotik-AG würde er gern auch AGs für Funker, Modellbau, Raketentechnik und Flugmodellbau gründen. Allein schafft er das nicht. Aber vielleicht, denkt er laut, findet sich unter den Teilnehmern der Makerabende der ein oder andere Mitstreiter. Am 5. April um 18.30 Uhr ist der Technik-Stützpunkt wieder geöffnet.