"Der Wettbewerb mit einer so langen Tradition ist eine Verpflichtung", meint Ronald Paris. "Nicht zuletzt geht es um die Kunsterziehung von Kindern." Deshalb kann in den Augen des Mannes, der gerade den Brandenburgischen Kunstpreis für sein Lebenswerk entgegen nahm, die Ausrichtung des Wettbewerbs nicht international genug sein.
Der Förderverein der Musik- und Kunstschule, der die Organisation 2012 von der Kindervereinigung übernommen hatte, ringt noch um das neue Profil des Wettbewerbs. Das Wort "Kinder" ist aus dem Titel gestrichen, damit sich Jugendliche angesprochen fühlen. Eigentlich sollte die Ausrichtung auf Europa beschränkt werden. Als jedoch Werke aus China, Argentinien und von den Philippinen eintrudelten, wurden diese ebenfalls in die Bewertung aufgenommen.
Vor allem aber freut sich Organisator Norbert Löhn darüber, dass mehr Schwedter Schulen Werke eingereicht haben. Erstmals ist eine Kindertagesstätte, die Naturkita, dabei. Parallel zur Ausstellung der Preisträger in den Uckermärkischen Bühnen wird es deshalb eine Schwedter Schau in der Musik- und Kunstschule geben. Bürgermeister Jürgen Polzehl stiftet einen Sonderpreis. Ebenfalls zum ersten Mal beteiligt sich die Schwedter Partnerstadt Leverkusen.
Wegen des ungewohnt frühen Einsendeschlusses hat die Jury unter der Leitung von Katrin Voss weniger Bilder zu bewerten. Um neue Blickwinkel auf die Werke zu bekommen, wurden Nicht-Künstler und -Kunsterzieher eingeladen. "Das ist für mich eine besondere Erfahrung", meint der russischstämmige Viktor Leis. Er ist studierter Wirtschaftswissenschaftler und Veranstaltungsmanager für Jugendprojekte. "Über die verschiedenen Mal-Stile lernt man die Kulturen ganz neu kennen."
Gerade diese Stile führen in der Jury zu einigen Diskussionen. Besonders bei den chinesischen Beiträgen fällt allen Mitgliedern der Einfluss der Comic-Serien auf und die einheitlichen Botschaften: Erhaltet die Natur, seid alle Freunde, reicht anderen Ländern die Hand. "Im Chinesischen gibt es wohl kein Wort für Kitsch", kommentiert Ronald Paris. Den Schwedtern ist der 79-Jährige durch sein Wandgemälde "Triumph des Todes. Triumph des Lebens" im oberen Foyer der Uckermärkischen Bühnen bekannt. Dort werden ab dem 26. September wieder die Werke des Künstlernachwuchses aus 18 Ländern präsentiert. Im Oktober wird erstmals eine Auswahl im Bildungsministerium Potsdam gezeigt.
Letztlich sind sich alle Juroren trotz der unterschiedlichen beruflichen Hintergründe erstaunlich einig: Besonders gut kommen die Bilder an, bei denen die Kunsterzieher offenbar keine Themen vorgegeben haben. Die elfjährige Lara Escher aus Bergen beichtet in einem Brief zu ihrem Superagenten-Hund "Dog 007", dass sie ihn nebenbei in einer langweiligen Schulstunde gezeichnet hat. Ronald Paris meint: "Je älter die Kinder sind, je mehr sie wissen, desto mehr geht diese Frische verloren."
Weil diesmal auffällig viele Porträts eingereicht wurden, entwickelt sich die Idee, die Ausstellung nicht mehr nach Ländern zu sortieren, sondern die verschiedenen Herangehensweisen gegenüberzustellen. "Ich sehe als eine Kernaufgabe der Jury, auch über die Rahmenbedingungen neu zu diskutieren", meint Dimiter Wassilew aus Bulgarien, der seit über 40 Jahren Juror des Zeichenwettbewerbs ist. Weitere Vorschläge sind eine Sonderbriefmarke zum 50. Bestehen 2017 und eine Online-Galerie, damit Kinder und Lehrer aus anderen Ländern die Preisträger sehen und vergleichen können. Allerdings warnte Norbert Löhn: "Christiane Wenzel und ich stoßen schon an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit." Die Fördervereins-Vorsitzende Konstanze Fischer hatte bereits im Kulturausschuss angeregt, den Wettbewerb an die städtische Kunstschule anzuschließen.