Die Biotonne müsste eigentlich schon längst vor allen Grundstücken stehen. Seit dem 1. Januar 2015 schreibt die EU sie entsprechend des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vor. Damit soll gesichert werden, das weitere verwertbare Abfälle erfasst und genutzt werden. Das machte Angela Friesse, Leiterin des kreiseigenen Entsorgungsbetriebes (EMO), im Kreisausschuss deutlich. Doch immer wieder hatte es im Kreistag erhebliche Bedenken zur Einführung der Biotonne gegeben, da man vor allem im ländlichen Bereich kaum Bedarf für solch eine Abfallentsorgung sieht. Im April 2015 hatte der Kreistag dazu sogar einen Beschluss gefasst. Das Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft hatte den Beschluss jedoch als nicht rechtskonform bewertet und den Kreis zum Handeln aufgefordert. Der Kreistag fügte sich und beauftragte im Juni dieses Jahres den EMO, einen Modellversuch für 2017 vorzubereiten. Der Modellversuch sei nötig, da es keinerlei Grunddaten gibt, erläuterte Angela Friesse. Niemand wisse, ob und wie solch eine Tonne genutzt würde, wie hoch der Anteil der Fehlwürfe sein könnte. Das heißt, man kann kaum einschätzen, ob die Bürger wirklich nur das in die Biotonne werfen, was dort auch reingehört. All das soll nun ermittelt werden.
Die Teilnahme am Versuch ist für die Grundstückseigentümer in den vier ausgewählten Orten freiwillig. Die Werkleiterin erklärte das Prozedere: Alle Haushalte werden angeschrieben und ausführlich über das Vorhaben informiert. Zu lesen sein wird im Schreiben auch, dass Bürger einer Teilnahme widersprechen können. Erfolgt solch ein Widerspruch nicht, werden ab April 2017 automatisch die Biotonnen aufgestellt.
Das Ganze ist natürlich mit Kosten verbunden. Der EMO will sie in der Modellphase nicht komplett auf die teilnehmenden Gebührenzahler umlegen. Es werde nur eine Leerungsgebühr erhoben, Aufstellungs- und Abholungskosten werden über den Kreishaushalt getragen. Deshalb braucht die Werkleiterin nun einen Beschluss des Kreistages. Es geht um 150 000 Euro, die in den Modellversuch fließen sollen.
Die Tonnen werden alle zwei Wochen geleert. Um für den Bürger Anreize zu schaffen, die Tonne auch zu nutzen, wird eine Leerungsgebühr von zwei Euro erhoben. Bei einer vergleichbaren Restmülltonne sind es 2,50 Euro. Um die Gebühr erheben zu können, muss der Kreistag eine Bioabfallmodellversuchssatzung beschließen.
Die Meinungen sind selbst unter den Kreistagsabgeordneten differenziert. Viele hätten nur kleine Grundstücke und könnten Bioabfälle gar nicht alle selbst kompostieren, warfen Vertreter aus den Randberliner Bereichen ein. Sie befürworteten das Vorhaben. Für den ländlichen Bereich sieht der Golzower Bürgermeister, der für die CDU im Kreistag sitzt, das schon deutlich schwieriger. Viele hätten große Grundstücke, würden wohl kaum etwas in solchen Tonnen entsorgen. Gerade deshalb soll der Versuch nicht nur im dichteren Siedlungsgebiet Fredersdorf und in der Stadt Seelow, sondern auch in zwei Dörfern laufen, betonte Angela Friesse.
Der Versuch ist für ein Jahr bis April 2018 festgelegt. Nach Ostern 2017 soll die erste Leerung erfolgen. Erst danach werden belastbare Ergebnisse vorliegen. Zu Bioabfällen würden keineswegs nur Essensreste gehören, betonte die Werkleiterin. "Wir reden hier über alles, was biologisch abbaubar ist", sagte sie. Auch abbaubare Windeln gehörten dazu. Sie erinnerte an Laub und Grünschnitt, der in eine Biotonne gehört. "Wir werden im Vorfeld viel Öffentlichkeitsarbeit leisten, um die Bürger einzustimmen und sie für den Modellversuch zu gewinnen", sagte Friesse. Sie gehe davon aus, dass bis zu 60 Prozent der Haushalte mitmachen.