Udo Schulz erinnert sich an ein Gespräch beim damaligen letzten Vorsitzenden des Rates des Kreises, Christian Reekow. Ein CDU-Mann aus Moers habe mit am Tisch gesessen und Reekow habe nur die Schultern gehoben. "Er sagte, dass er nur noch der Nachlassverwalter sei."  Schulz war im April 1989 mit seiner Familie von Golzow nach Seelow gezogen. Da er schon in Golzow im Gemeinderat saß, sei Erhard Ostwald namens der FDP dann auf ihn zugekommen, um ihn für eine politische Mitarbeit zu gewinnen. Erst sollte er in der Kreisverwaltung starten, aber er bewarb sich um die Stelle als Wirtschaftsförderer in der Stadt. Noch gut erinnert sich Udo Schulz an die Aufbauhilfe aus der Partnerstadt Moers. Die sei ja mitunter von Außenstehenden als Einmischerei gesehen worden. "Aber es war eine echte  Hilfe", versichert er rückblickend. "Ich habe in der Zeit damals viele sehr soziale und kollegiale Mitarbeiter von dort kennengelernt." Man habe schließlich ganz neu starten müssen, wusste vieles nicht. Er sei noch jung und voller Optimismus gewesen. Er sehe es bis heute als großes Glück, dass er gerade die anfängliche stürmische, aber immer interessante Entwicklung mitgestalten konnte. Er erlebte das neue frei gewählte Parlament, in dem es zum Start so manche Kämpfe gegeben hat.
Blick zurück lohnt sich
Es mangelte nicht an Vorwürfen gegenüber jenen, die zuvor in Verantwortung standen. Das habe sich aber gewandelt. "Die Entscheidungen wurden immer mehr vom Ziel bestimmt, gemeinsam etwas für die Bürger der Stadt zu bewirken." Er stellte sich 1993 dann der Wahl zum Bürgermeister. "Ich bin gegen meine Chefin, Frau Seiler, angetreten. Das war schon ein komisches Gefühl", gesteht Udo Schulz. Er sei ins Büro von Helga Seiler gegangen und habe es ihr gesagt. Sie habe ganz sachlich reagiert. Es herrsche Demokratie und da sei seine Kandidatur sein gutes Recht. Dass er in der Stichwahl dann gewann, überraschte ihn selbst. 16 Jahre wirkte er als Rathauschef. Es sei viel erreicht worden, steht für ihn fest. Leider würden heutige Meckerer vergessen, wie welche Ecken und Häuser in Seelow 1989 aussahen. Er erinnert an die baulichen Veränderungen im Kirchviertel, das einst traurig aussah.
Man habe zudem den Seelower Weg der Wohnungsbaugesellschaft gestartet, entgegen diverser Vorschläge auswärtiger Planer, die in Seelow neue Wohnhäuser in mediterranen Flair bauen wollten. "Wir wollten bessere Bedingungen für die Mieter. Das ist auch gelungen", freut sich Schulz noch heute. All das sei zudem unter nicht immer einfachen finanziellen Voraussetzungen geschafft worden. Zehn Jahre lang musste die Stadt mit einem Haushaltssicherungskonzept arbeiten, weil ein dickes Minus im Etat klaffte. Dennoch wurde in Schulen, Sportstätten, Wohnungen, Infrastruktur und Einrichtungen investiert, die heute dem gesamten Umland zugute kommen.