Angefangen hat es mit einer Urlaubsbekanntschaft in der Türkei. Werbigs Ortsvorsteher Wolfgang Kadler und seine Frau Karin hatten sich vor drei Jahren mit Bea Wagenvoort und Gejo Donders befreundet. Seither hat das niederländische Paar aus der Nähe von Apeldoorn häufig Neulangsow und das Oderbruch besucht und eine tiefe Zuneigung zu Land und Leuten entwickelt. "Wir lieben die Art der Leute hier, ihre direkte und unkomplizierte Art des Umgangs miteinander", geraten sie fast ins schwärmen. Natürlich haben sie auch verfolgt, was im Rahmen der Festvorbereitung in Neulangsow und den anderen Spinnerdörfern in diesem Jahr passiert ist. Und sie haben sich dabei etwas ganz Besonderes ausgedacht.
Als sie jetzt nach ihrer 656 Kilometer langen Anreise in Neulangsow ankamen, um ein paar Tage im Oderbruch zu genießen, staunte Wolfgang Kadler nicht schlecht über den Umfang des Gepäcks. "Wie lange wollt ihr denn bleiben?" fragte er bange an. Was seine Gäste natürlich belustigte. Denn ein großer Koffer war mit Zwiebeln gefüllt. Tulpenzwiebeln natürlich. 500 Stück in allen nur erdenklichen Farben. "Das ist für Euch, für Euer Dorf zum Fest", erklärten die Gäste.
Wolfgang Kadler und seine Frau waren komplett begeistert. Schließlich haben am Dorfende von Neulangsow bereits die ersten Familien in Eigeninitiative damit begonnen, den etwa 800 Meter langen Grünstreifen in Neulangsow mit Blumen zu verschönern. Das kann jetzt mit den 500 Tulpenzwiebeln fortgesetzt werden.
Dabei mitmachen kann jeder Neulangsower, auch wenn er an der Werbiger Straße, am Hauptgraben, an der Pflasterstraße oder an der Bahnhofstraße wohnt. Wichtig ist nur, dass die Tulpenzwiebeln ins öffentliche Grün versenkt werden. Natürlich ist auch dem Ortsvorsteher klar, dass die meisten Tulpen am 10. Juni wohl schon verblüht sein werden. Doch das tue der Initiative keinen Abbruch. Schließlich haben sich die Neulangsower und ihre Gäste dann schon daran erfreut, wenn sie den großen Festumzug vorbereiten.
Die Ausgabe der Zwiebel erfolgt am Sonntag von 10 bis 12 Uhr in Neulangsow 74 bei Kadlers. Dort können sich die Teilnehmer der Aktion auch Tipps fürs Stecken holen. Schließlich sind Tulpen ein Wahrzeichen Hollands, seit sie im "Goldenen Zeitalter", im 17. Jahrhundert, dort sogar zum Spekulationsobjekt geworden waren und einen Züchtungsboom ausgelöst hatten. Tulpen werden im Herbst in humusreichem, durchlässigen Boden an einem sonnigen Standort gepflanzt. Dabei sollte man Tulpen nicht in Reih und Glied sondern in lockeren Gruppen setzen. Bea Wagenvoort hat dafür sogar ein Spezialgerät mitgebracht.
Die Tulpen markieren auch die enge historische Verbindung der Oderbrücher mit Holland. Die Deich- und Wasserbaukunst der Niederländer war auch bei der Trockenlegung und Melioration des Oderbruchs zum Tragen gekommen. Und nicht zuletzt waren es holländische Gartenbauspezialisten wie die Familien van Spronsen in Manschnow, die das Oderbruch vor 100 Jahren zum Gemüsegarten Berlins machten. Heute gibt es u. a. in Platkow, Bliesdorf und Altranft Landwirte aus den Niederlanden.