Am Freitag hat er Ronja, Celine und Nicole vom Frankfurter Oberstufenzentrum "Konrad Wachsmann" von jenen Tagen im April 1945 berichtet. Damit die Schrecken des vor 75 Jahren zu Ende gegangenen Krieges nie vergessen werden.
"Mein Freund, er war genau so alt wie ich, starb direkt neben mir", erzählte er an der Gedenkstätte Seelower Höhen. Dort, wo der Blick weit über das Oderbruch reicht, erinnerte er sich unter Tränen. "Nie werde ich seine letzten Worte vergessen: ,Lieber Gott! Hilf mir!" Kroll zeigte den Schülerinnen, die eine Podiumsdiskussion zum Thema Kriegs­ende vorbereiten, anhand eines Luftbildes von Golzow, wo seine Einheit in Stellung lag und wo sie die Gefallenen beerdigt haben.
Unwirkliche Situation am Feld
Die Schülerinnen waren sehr beeindruckt. Vor allem aber bedankten sie sich beim Zeitzeugen für dessen Spende, mit der er ihr Projekt unterstützt hat. Kroll war am Tag der Befreiung mit seinen Kindern und den Mitgliedern des Vereins Zeitreise Seelower Höhen noch einmal zu den Stätten des Kampfes gefahren. "Es war mir gelungen, von Golzow zum Gefechtsstand unserer Einheit nach Gusow zu kommen. Von dort konnte ich nach Berlin weiter und erreichte am 2. Mai meine Heimatstadt Schwerin. An dem Tag wurde ich zum zweiten Mal geboren", erzählte er.
75. Jahrestag der Befreiung in der Seelower Region

Bildergalerie 75. Jahrestag der Befreiung in der Seelower Region

Bereits am frühen Morgen des 75. Jahrestages öffnete Joachim Kozlowski, Umbetter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, eine Grablage von Gefallenen bei Ortwig. Die ganze Situation dort erschien so unwirklich: Ein sonniger Maienmorgen, ein grünes Getreidefeld und nur 40 Zentimeter darunter kommen Knochen, Stahlhelme und Ausrüstungsgegenstände zum Vorschein. Kozlowski, der dort nach Hinweisen von Bürgern bereits am Donnerstag vier Gefallene ausgebettet hatte, konnte anhand von Merkmalen an den Knochen sowie an der Ausrüstung leicht erkennen, dass es sich um sehr junge deutsche Soldaten handeln muss. Vielleicht waren sie ebenso 17 Jahre alt wie Wolf-Dietrich Kroll bei seinem Kriegseinsatz.
Zeitzeugen aus Ortwig berichten, dass im Februar 1945 Einheiten mit jungen Soldaten aus Süddeutschland in Ortwig eingesetzt worden waren. Und sicher hatten sie ihre Gefallenen inmitten der Kämpfe hastig an diesem Feldweg begraben. Darauf deutet zumindest die geringe Größe der Grube und die Lagerung der  Gebeine hin. Joachim Kozlowski hat viel Mühe, die Gebeine aus dem schweren Oderbruchboden zu holen, der sich in wenigen Tage noch mehr verhärten wird. Anlass für diese Grabung ist der Wegebau im Zuge eines Bodenordnungsverfahrens, bei dem auch einiges an Munition gefunden wurde, wie Matthias Metke vom Kampfmittelräumdienst der Polizei mitteilte.
Die Körper der am Freitag ausgebetteten Gefallenen müssen furchtbar zerfetzt worden sein. Aus einem der Stahlhelme kam der Schädel zum Vorschein: völlig in Stücken. Neben Knöpfen, Gurten, Essensbüchse und Verwundetenabzeichen kamen keine persönlichen Dinge zum Vorschein. Eine Trillerpfeife hat die 75 Jahre im Erdboden aber schadlos überstanden. Von den vier Gefallenen, die am Donnerstag ausgebettet wurden, hatten drei noch ihre Erkennungsmarke. Somit wird man nun feststellen können, zu welcher Einheit die Soldaten einst gehörten. Allen wird eine menschenwürdige Ruhestätte gegeben, wahrscheinlich auf dem großen Soldatenfriedhof in Lietzen. Eigentlich sollte dort am 16. April eine feierliche Zubettung stattfinden. Aber der Termin wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben.
Die Eindämmungsmaßnahmen haben auch die geplanten Veranstaltungen an der Gedenkstätte Seelower Höhen verhindert. Daran erinnerte Landrat Gernot Schmidt (SPD) im Rahmen einer recht spontan stattfindenden Kranzniederlegung von den Landtagsfraktionen der Parteien SPD, Linke und Bündnis 90/Grüne. Die geplante Open-Air-Aufführung der Leningrader Sinfonie durch das Staatsorchester werde im Herbst nachgeholt. Bereits am frühen Morgen hatte der Landrat an der zentralen Veranstaltung am Ehrenmal am Berliner Tiergarten teilgenommen.
Viele Besucher an Gedenkstätte
"Wir haben uns recht kurzfristig dazu entschlossen und sind froh, dass es geklappt hat", erklärte Kristy Augustin, Landtagsabgeordnete der CDU aus Letschin. Die Seelower Landtagsabgeordnete der Linken und Kreistagsvorsitzende Bettina Fortunato, sowie die Sahra Damus, Landtagsmitglied von Bündnis 90/Grüne legten Kränze nieder.
Den ganzen Tag über war die Gedenkstätte zum Jahrestag gut besucht. Um 17 Uhr waren die Linken aus Märkisch-Oderland dort. Sie hatten zum Stillen Gedenken aufgerufen.
Kritik gab es daran, dass es dem Landkreis nicht gelungen ist, das Museum der Gedenkstätte für Besuchergruppen zu öffnen. Als Begründung hatte der Kreis erklärt, dass es nicht möglich war, ein den Eindämmungsvorschriften entsprechendes Hygienekonzept zu erarbeiten, wie es bei vielen kleineren und ehrenamtlich betriebenen Museen in der Re­gion möglich war.