Der erste Aha-Effekt stellte sich bereits bei der theoretischen Einweisung am Görlsdorfer Gemeindehaus ein. Denn die Vertreter der Ortswehren von Seelow-Land sowie Wolfgang Stenzel aus Jahnsfelde staunten nicht schlecht, als sie sahen, wie Stefan Molecki und Michael Kirchner eine der "mobilen Staustellen" aus einem normalen Pkw-Kofferraum nahmen und entfalteten. Zwei Alu-Platten, ein Boden aus gewebeverstärktem, laugenbeständigem Kunststoff, mehr ist es eigentlich nicht.
Die Idee ist 2009 aus der Not geboren, erzählen die beiden aus Zella-Mehlis angereisten Erfinder, die sich ihre genial einfache Idee als Patent schützen ließen.
"Wir hatten am zweiten Weihnachtsfeiertag 2009 in Zella-Mehlis einen Großbrand, von dem drei Wohnhäuser betroffen waren", erzählen die auch als Feuerwehrleute ehrenamtlich aktiven Unternehmer. "Obwohl ganz in der Nähe der Lugenbach fließt, mussten wir eine 300 Meter lange Schlauchstrecke aufbauen, um an Löschwasser zu kommen. Das hat Zeit gekostet und uns gewurmt", so Stefan Molecki, der bereits seit 2004 eine Edelstahlfirma hat.
Drei Jahre nach dem Brand war es so weit: Sie konnte ihre erste selbstentwickelte mobile Staustelle verkaufen. Und nannten ihre Erfindung "Biber". "Das ist unseres Wissens nach der beste Staudammbauer, den es gibt", erzählte Kircher. Die Brandschützer, besonders die aus dem Oderbruch, lächelten dazu finster.
Richtig begeistert zeigten sie sich allerdings vom "Biber" selbst, als sie ihn in Aktion erlebten. Im Görlsdorfer Fließ wurde die Staufstufe aufgeklappt. Nur eine Einsatzkraft ist dafür nötig, so einfach lässt sich das Gerät zum Einsatz bringen. Die Einsatzbreite ist variabel, da die Seitenwände nach Belieben auf- oder eingeklappt werden können.
Begrenzt wird diese Flexibilität allerdings durch den Ansaugstutzen der Pumpe, der noch auf den Kunststoffboden aufgesetzt werden muss. Enger darf es nicht werden. Die Staustelle gibt es aber auch in verschieden großen Ausgaben, die sich bequem in den Einsatzfahrzeugen verstauen lassen. Drei Modelle hatten die Thüringer nach Görlsdorf mitgebracht. Nach Sekunden stand im Boden des Dreieckes im Fließ genug Wasser, um angesaugt werden zu können. Gepumpt werden kann dann im Ernstfall, so viel der Bach hergibt. Das Verfahren eignet sich für Höhenstandorte. In Görlsdorf war das Fehlen von Löschwasserstellen eben erst bemängelt worden.
Auch für den Müncheberger Bereich würde sich der "Biber" gut machen, stellte Jahnsfeldes Ortswehrführer Wolfgang Stenzel fest. Er will als Stadverordneter dafür ein Wort einlegen. "Wir haben selbst schon einmal mit einer Staustelle experimentiert", erzählt er.
Ein großer Vorteil des "Bibers" sei, dass es damit keine Probleme mit der Wasserbehörde gebe, erklärten die Erfinder weiter. Denn die Umwelt werde damit gar nicht beeinflusst. Inzwischen arbeiten 400 Feuerwehren aus ganz Deutschland und Österreich erfolgreich mit dem "Biber", so Stefan Molecki.
Monique Albrecht, Sachbearbeiterin Brandschutz im Amt Seelow-Land, hatte die Vorführung organisiert, nachdem das Löschwasserproblem der Höhendörfer bekannt geworden war. Angesichts des großen Interesses will sie nun ein Sammelbestellung des "Bibers" vorbereiten. Das zwei Meter breite Modell kostet 740, das größte 980 Euro.
Kontakt: Tel. 03682 46125 Mail: molecki-edelstahltechnik@t-online.de