Jorinde und Joringel lieben sich, doch die böse Hexe verzaubert Jorinde in eine Nachtigall und sperrt sie ein. Das Glück der beiden jungen Leute scheint für immer beendet zu sein. Aber was wäre ein Märchen der Gebrüder Grimm ohne ein Happy End? Natürlich kann Joringel seine geliebte Jorinde irgendwann befreien, aber bis es soweit ist, dauert es eine ganze Weile.
Die Klassenstufe fünf der Salvador-Allende-Schule in Wriezen brachte das Märchen am Mittwoch und Donnerstag insgesamt dreimal als Theaterstück auf die Bühne und erfreute damit zahlreiche Zuschauer. Dreimal volles Haus, das war für die jungen Akteure schon ganz schön aufregend. "Die Kinder haben schon Lampenfieber", erzählt Lehrerin Sabine Wunder, die das Stück mit den Schülern einstudiert hat.
Seit 1984 Theater an der Schule
Bereits seit 1984 gibt es das Theaterprojekt an der Grundschule in Wriezen. Eine Woche Theater statt Unterricht, das ist mal eine schöne Abwechslung für die Kinder. Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder in dieser Woche nichts lernen würden – ganz im Gegenteil. Aber Lernen muss ja nicht immer im Dreiviertelstundentakt im Klassenzimmer stattfinden.
Schon bevor die Arbeiten an dem Stück beginnen, müssen sich die 38 Mädchen und Jungs der beiden fünften Klassen entscheiden, in welcher Gruppe sie mitarbeiten wollen. Diesmal gab es die Gruppen Schauspiel, Tanz und Öffentlichkeitsarbeit. Denn natürlich ist es nicht allein damit getan, ein Stück einzustudieren, man muss es im Vorfeld auch vermarkten, damit Zuschauer kommen. So kümmerte sich die Gruppe Öffentlichkeitsarbeit um die Einladungen an Ehrengäste, die Eintrittskarten und die Plakate für das Theaterstück.
Die Talente in zwei Schulklassen sind natürlich unterschiedlich verteilt, nicht jeden zieht es auf die Bretter, die die Welt bedeuten, manch einer arbeitet lieber ein wenig im Hintergrund. Da ist es gut, dass es verschiedene Gruppen gibt, in denen die Kinder ihre unterschiedlichen Talente ausleben können.
Dabei wäre Sabine Wunder als Projektleiterin beinahe in die Bredouille gekommen, ihre Kollegin, die sie sonst bei dem Theaterprojekt unterstützt, fiel wegen eines Beinbruchs nämlich kurzfristig aus. "Ohne unsere Schulsozialarbeiterin Dagmar Bergmann und die beiden Muttis Daniele Radtke und Riccarda Görsch hätte ich es nicht geschafft", bedankt sich Sabine Wunder bei ihren Helferinnen. Besonders Radtke und Görsch seien eingesprungen und hätten die Gruppe Öffentlichkeitsarbeit in Eigenregie geleitet – selbstverständlich ist das sicher nicht. Aber bei dem Nachnamen ist es ja nun eigentlich auch wieder kein Wunder, dass Sabine Wunder Helferinnen fand, damit das Projekt, dass es nun immerhin seit 35 Jahren an der Schule gibt, nicht ausfallen musste. Auch da gab es also ein Happy End.
Die Vorbereitung war aber eben nur ein Teil des Projekts, am Ende muss so ein Theaterstück ja auf der Bühne gezeigt werden – und das gleich drei Mal. Die erste Aufführung war schon am Mittwochvormittag vor Kindern der Kindergärten aus Wriezen und den Schülern der Klassenstufen eins bis drei. Am Mittwochnachmittag kamen dann Senioren und einige Eltern dazu, die Zeit hatten. Der Großteil der Eltern erschien zur Vorstellung am Donnerstagabend – schließlich kann am Nachmittag nicht jeder einfach freimachen.
Bei allem Lampenfieber im Vorfeld, während des Stücks war davon bei den 16 Kindern, die sich für die Schauspielgruppe entschieden hatten, nicht viel zu merken. Die Texte saßen, nur selten musste die Souffleuse auf die Sprünge helfen, und auch das Spiel saß. "Die Darsteller, die als Bäume auf der Bühne standen, mussten etwa darauf achten, dass sie ständig ihre Arme unter dem Baumkostüm bewegen, um den Eindruck zu vermitteln, dass sich die Äste im Wind wiegen.
Ach ja – Jorinde und Joringel. Die arme Jorinde muss lange warten, und natürlich schwindet irgendwann die Hoffnung, dass ihr Joringel ihr doch noch zu Hilfe kommt. Aber irgendwann finden die beiden Liebenden doch wieder zueinander.