Der Traum von einer erweiterten Nutzung des Neuhardenberger Flugplatzes als Service und Ergänzungsflughafen des geplanten Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) scheint ausgeträumt. Der Betreiber will das Gelände nun mit Solarmodulen bestücken.
Bis zuletzt hatten sie gehofft. Doch die Aussage des brandenburgischen Ministerpräsidenten bei einem Treffen in Bad Freienwalde vor zwei Wochen sei "überraschend eindeutig" gewesen, sagt Uwe Hädicke von der Flughafengesellschaft Airport Development. Innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre sehe Mathias Platzeck keine Möglichkeit der Nutzung des Neuhardenberger Flugplatzes in Verbindung mit dem Flughafen Berlin Brandenburg International. Dieser sei als sogenannter Single-Airport geplant, das heißt ohne Ausweichmöglichkeit für Geschäftsflieger oder Landeoptionen im Falle schlechter Wetterverhältnisse über Berlin. "Ein System, das unter Experten als sehr störungsanfällig gilt", sagt Uwe Hädicke. Die Flughafengesellschaft Airport Development hatte daher bis zuletzt auf Unterstützung der Regierung gehofft, doch sei als Konkurrent ausgebremst worden. Dabei wären die Voraussetzungen Neuhardenbergs, laut Hädicke, ideal, die Infrastruktur auf dem Gelände vorhanden. Geschäftsflieger mit acht Fluggästen etwa seien für einen Großflughafen, wie den BBI eigentlich nicht interessant und könnten hier bedient werden. Zudem besteht für Neuhardenberg keine zeitliche Einschränkung des Flugverkehrs, was den Nachtbetrieb betrifft. Es darf rund um die Uhr geflogen werden.
Eingang ins Gehör der Verantwortlichen fanden diese Argumente nicht. Immer wieder sei man vom einen auf den anderen Termin vertröstet worden, wird beklagt. Nun die scheinbar endgültige Absage, die das Nachdenken über eine Alternative nach sich zieht. Und auch diese könnte über den Wolken liegen: Sonnenenergie. Der Investor plant, das Gelände teilweise mit Photovoltaik zu bestücken, um das 700 Hektar große Areal weiterhin optimal zu nutzen.
Wie das aussehen könnte, lässt sich anhand des einstigen Militärflugplatzes in Finow veranschaulichen, wo sich die blauen Zellen an beiden Seiten der Start- und Landebahn entlangziehen. Allerdings würde die Anlage in Neuhardenberg größere Ausmaße annehmen. Etwa 85 Megawatt beträgt die Leistung der Module in Finow. Der Bedarf von 23 500 Haushalten könnte durch sie gedeckt werden. Eine Leistung, die laut Uwe Kleber vom Planungsbüro Dörner & Partner in Neuhardenberg deutlich überschritten werden könnte. Trotzdem solle das Gelände weiterhin als Flugplatz genutzt werden, stellt Uwe Hädicke klar.
Für die etwa 20 Flugzeugeigner, welche das Gelände nutzen, würden keine Nachteile entstehen. Flugzeuge bis zu einer Tragflächenspannweite von 24 Metern sollen hier weiterhin starten und landen können, auch wenn sich die Länge der Start- und Landebahn von 2400 auf 1500 Meter verkürzen könnte. Die Betonflächen bleiben dennoch erhalten. Denn die Nutzung für alternative Energien sei eine Zwischenlösung, um Arbeitsplätze in der Region zu halten und weitere zu schaffen, argumentiert Airport-Manager Uwe Hädicke.
Soll die Idee mit der Photovoltaik Früchte tragen, müsse es allerdings schnell gehen. Angesichts der regelmäßigen Kürzung der Einspeisevergütung von Solarstrom arbeitet man gegen die Zeit.
Bereits in der morgigen Gemeinderatssitzung wird die Firma Solarhybrid daher ihr Konzept zur Nutzung des Geländes als Photovoltaik-Park den Abgeordneten vorstellen. Uwe Hädicke sieht es als Chance für die Gemeinde und als verpasste Chance für die Landesregierung, die er morgen zu einem letzten Gespräch in Potsdam trifft.