Als das Projekt in die Organisation ging, lag noch Schnee auf der Fläche der alten Scheune. Nun ist sogar deren Umriss schon wieder deutlich zu erkennen. Bei nahezu wolkenfreiem Himmel sind MAE-Kräfte des Mühlenvereins gerade neben der Wassermühle zugange. "Seit Montag haben auch die Jugendlichen kräftig mit angepackt", versichert Vereinsvorsitzende Karin Nawroth. Die Fläche musste geebnet, die Feldsteinumrandung errichtet werden. Dazu haben am Sonntag 15 Jugendliche ihre Zelte auf dem Gelände aufgeschlagen.
Da die Arbeiten am Scheunengrundriss am Donnerstag schon fast abgeschlossen sind, haben sich Roxanna, Ola und Bartek ins schattige Zelt verkrochen. Die Polen, allesamt 17 Jahre jung, sind drei von acht Jugendlichen aus Slonsk (Sonnenburg) und Gorzow, die auf dem Mühlengelände campieren. "Die Arbeit ist nicht anstrengend und das Essen ist sehr gut", sind sich Roxanna und Bartek einig. Am Vortag wurde gegrillt und Pizza gab es auch schon.
Und selbst mit ihren Mitstreitern vom Christlichen Jugenddorf (CJD) aus Seelow sind sie bereits warm geworden. "Am ersten Tag war es noch etwas komisch, aber schon am zweiten haben wir zusammen Fußball gespielt", sagt Bartek. "Polen hat gewonnen", fügt er hinzu. Die Verständigung funktioniert ebenfalls. Der 17-jährige Arnold, der in Seelow zur Schule geht und selbst polnische Wurzeln hat, wird oft als Dolmetscher gerufen. Aber auch Projektkoordinator Jörg Petzel spricht fließend Polnisch.
An der Realisierung des Camps haben viele ihren Anteil. Im November wurde die Idee im Rahmen eines Wettbewerbs der Firma E.on mit 2000 Euro prämiert und fand im Deutsch-Polnischen Jugendwerk sowie im CJD weitere Unterstützer. Zelte wurden vom Zechiner Verein Oderlandkids zur Verfügung gestellt.
Ursprungsidee war, das Ferienlager auch mit Jugendlichen aus Tschechien zu füllen, was sich laut Karin Nawroth allerdings als schwieriger erwiesen hatte als gedacht. Und auch auf den Aufruf an deutsche Jugendliche habe es keinen Rücklauf gegeben. Das CJD, welches Gerätschaften für die Arbeit auf dem Mühlenhof zur Verfügung stellt, sprang ein. Der 17-jährige Florian, der im CJD gerade sein Berufsvorbereitendes Jahr macht, genießt die Zeit in Worin. Für ihn ist das Projekt die ideale Vorbereitung. Im Herbst will er in Frankfurt seine Maurer-Lehre beginnen.
Heute fährt die Gruppe nach Berlin, besucht dort die Reichstagskuppel und das Technische Museum. Gemeinsam waren sie bereits in der Gedenkstätte auf den Seelower Höhen sowie in Slonsk, wo die sich ebenfalls eine Wassermühle angesehen haben. Mit etwas Glück könnte diese das Folgeprojekt im Sommer 2014 werden, wie Jörg Petzel verrät. Angedacht ist, die Innenwände der polnischen Mühle mit einem Anstrich aus Quark, Buttermilch und Schlemmkreide zu versehen. - So wie im Gesellenzimmer der Woriner Mühle.
Unklar bleibt weiterhin, ob in naher Zukunft auch Landwirtschaftliche Geräte in der neuen Feldsteinumrandung ihren Platz finden. Denn bisher ist weiterhin offen, ob der Bau auch eine Überdachung bekommen darf. Diese wird benötigt, damit Dreschkasten und Co keinen Schaden nehmen. Derzeit liegt das Vorhaben als Bauvoranfrage beim Kreisbauamt in Strausberg. Knackpunkt: Ein Teil der Scheune liegt im Außenbereich.