Ein bisschen versteckt auf dem ehemaligen LPG-Gelände in Rehfelde-Dorf liegen die Hallen von Reitz Küchen. In der hinteren ist ein Trio gerade mit der Arbeit an den Moosplatten beschäftigt. Barbara Blumhardt und Detlef Heimann, erst seit dem Frühjahr dabei, und Firmenchefin Britta Reitz arbeiten Hand in Hand. Erst wird das Moos in die flachen Holzkisten gestopft, dann oben abgeschnitten, zum Schluss kommt die Holzplatte drauf, die Britta Reitz inzwischen mit Kleber eingestrichen hat. Über Nacht bleibt das Ganze dann gepresst stehen, und am nächsten Tag sind etliche weitere Elemente dieser Art zur besonderen Wandverkleidung oder Raumgestaltung auslieferbereit.
"Das hier ist die geklebte Variante", erläutert Michael Reitz, "es gibt auch noch die andere, bei der das Moos an die Platte getackert wird." Unterschiedlich sind dabei Größe und Dicke der Grundplatten. Bei der Form, auf die sich die Rehfelder in erster Linie verlegt haben, sind es die Dünneren mit Abmaßen von 38 mal 58 Zentimetern.
Seit Anfang des Jahres gehört dieser Bereich neu zum Repertoire des seit 1995 in Rehfelde ansässigen Unternehmens. Produziert wird für eine Fremdfirma: "Wir stellen nur her, müssen uns nicht selbst um Aufträge kümmern", wie Michael Reitz berichtet. Im Fall, dass der Kunde in der Nähe sitzt, übernimmt das Reitz-Team aber gleich noch den Einbau. Im Bundesverkehrsministerium gab es da zum Beispiel schon einen Auftrag, und bei einer großen Versicherung war eine Wand von sechs mal acht Metern mit den Moosplatten zu bestücken. "Eine Halle, in der es vorher richtig gedröhnt hat. Doch danach war es sowohl von der Schalldämmung als auch vom Klima sehr angenehm." Echtes Naturmoos aus dem Wald ist es, das in Rehfelde verarbeitet wird - die Herkunftsländer sind Belarus, Norwegen und Finnland, erläutert der Firmeninhaber.
Hochkonzentriert sind Barbara Blumhardt und Detlef Heimann bei der Sache. 15 bis 20 Minuten Arbeitszeit sind für eine Kiste geplant, und nach mehreren Monaten sind ihnen die einzelnen Schritte gewissermaßen schon in Fleisch und Blut übergegangen. "Zehn Jahre war ich zuvor auf Jobsuche", erzählt Barbara Blumhardt, die aus Rehfelde selbst kommt und ursprünglich eine Koch-Ausbildung hat. Ein ziemlich artfremdes Berufsfeld, in dem sie nun tätig ist. Doch so schwierig sei das nicht, ist sie sich mit ihrem Kollegen einig. "Zwei Wochen Einführungslehrgang, denn nach einer Woche ging es noch nicht ganz so", sagt der Strausberger. Doch dann habe man alles verinnerlicht, worauf es ankomme.
Auch Heimann war vorher "schon länger" Arbeit suchend, bis er die Anstellung und Rehfelde erhielt, ins Detail gehen will er dabei nicht. Natürlich sei es eine Umgewöhnung, "aber wer will, bekommt das auch hin", betont er ausdrücklich. "Anstrengend? Ach, das ist einfach Gewöhnungssache", ergänzt seine Kollegin.
Ob die Mitarbeiter bei der Tätigkeit sitzen oder stehen, könnten sie sich selbst aussuchen, erläutert Britta Reitz. Und anfangs sei es durch die Beanspruchung ganz anderer Muskelgruppen schon so, dass man das körperlich merke. "Das hält etwa eine Woche an, bis man sich eingewöhnt hat", weiß sie aus eigener Erfahrung, war sie doch die Erste, die im Januar mit dieser Arbeit loslegte.
Detlef Heimann ist seit März, Barbara Blumhardt seit April dabei. Mit die Ersten, die ihnen das Jobcenter geschickt habe, wie Michael Reitz zurückblickt. "50, 60 Leute haben wir hier zum Test schon mittlerweile gehabt", doch gerade die Jüngeren unter 30 würden schnell das Handtuch werfen. Ausnahme einer, der sich ganz gut angestellt habe, für den aber der weite Weg aus Seelow ein Problem war. Einmal wöchentlich schaue der Coach vorbei, der für die Betreuung im Rahmen des EU-Förderprojektes zuständig ist. Bei ihnen bekomme der immer nur die Auskunft, dass alles gut laufe. Drei Mitarbeiter hat die Firma momentan, mindestens eine weitere Stelle würden Britta und Michael Reitz durchaus noch besetzen wollen. Doch viele derer, die ihnen das Jobcenter vorbeischicke, stellten sich als ungeeignet heraus. "Das ist schlechtes Karma", war der Kommentar einer offenbar esoterisch veranlagten Frau, als sie probehalber mit den Moosplatten loslegen sollte.
Michael Reitz ist gelernter Tischler, hatte schon in Stuttgart einen Montage- und Fuhrbetrieb, bevor er Anfang der Neunziger-Jahre seine aus Rehfelde stammende Frau kennen lernte. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben beide das hiesige Unternehmen gemeinsam aufgebaut. Anfangs waren es vor allem Fertigküchen, doch schon damals wurden nebenbei Schränke auf Sonderwunsch gefertigt.
Mittlerweile machen Möbel-Spezialanfertigungen, beispielsweise für Raumnischen und Dachschrägen, den Hauptteil der Aufträge aus. Für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) habe man einen kompletten Konferenzraum eingerichtet. Hinzu kommen Teeküchen und einiges mehr im Terminal des neuen Hauptstadt-Flughafens BER, zählt Michael Reitz auf. Weshalb er auch persönlich hoffe, dass dieser nun endlich in Betrieb gehen möge.