Am 18. Juli 1991 hat sich der Heimatverein Neuhardenberg gegründet. Aus diesem Anlass wurde die Erinnerungstafel an der Linde der Partnerschaft, gepflanzt am 9. September 2016, auf dem Dorfanger erneuert. Es nahmen auch Jugendliche des Freizeitprojektes des Kinderrings teil. Die Aktion im Sommer bildete den Auftakt zur Erneuerung der 17 Tafeln des Geschichtspfades. Schrittweise werden sie in Neuhardenberg ersetzt. So auch am Mittwoch: Reiner Menge als Vize-Vereinschef stieg auf die Leiter, holte das alte Schild von der orange leuchtenden Hauswand in Neudorf, Hausnummer 4. Dort wohnte von 1945 bis 1967 der Lehrer und Heimatforscher Ernst Tietze (1887 - 1967). So steht es auf dem alten Schild, ebenso auf dem neuen. Letzteres ist allerdings jetzt nicht mehr aus Kunststoff mit Folie. Die Schrauben können nicht mehr rosten und unschöne Nasen auf der Tafel hinterlassen. "Es wurde Zeit, sie zu erneuern", sagte Vereinschef Dietmar Zimmermann.
Aluverbundplatten statt Plastik
Gefunden habe man nun eine witterungsbeständige Lösung: Die Erinnerungstafeln sind jetzt aus Metall, genauer Aluverbundplatten. Die halten, wie auch die Schrauben, Wind und Wetter aus. "Hier am Wohnhaus ist ein schönes Beispiel, wie gut die Zusammenarbeit mit den aktuellen Nutzern funktionieren kann", sagte Dietmar Zimmermann. Schließlich werden viele Stationen auf dem Geschichtspfad ja auch heute mit Leben erfüllt.
Seit 2005 lebt Familie Orseszki im einstigen Wohnhaus des Lehrers. "Und das sehr gerne, auch wenn man nicht viel verändern kann", betonten sie. Gemeint ist damit der Denkmalschutzbereich, der in Neudorf greift, wie auch in der Karl-Marx-Straße. "Dafür leben wir hier alle in einem schönen Umfeld", fügte Zimmermann an und überreichte als Dank für die Fassadennutzung den Orseszkis eine kleine Medaille, die in diesem Jahr ans 70-jährige Jubiläum der Umbenennung von Marxwalde in Neuhardenberg erinnert.
"Das Wohnhaus in Nr. 4 kennen auch viele Neuhardenberger aber auch noch ganz persönlich aus ihrer Jugend. Viele berichteten uns, dass Ernst Tietze ein toller Lehrer gewesen sei. Und etliche haben bei ihm nachmittags nachgesessen, wie auch gegenüber bei Bio-Else, alias der Biolehrerin Else Günther", so Zimmermann. Darüber hinaus sei Ernst Tietze nicht nur Lehrer gewesen, sondern auch Heimatforscher. "Dessen großer Schatz an Quellenmaterial ist immer noch wichtige Grundlage fürs Archiv des Heimatvereins."
Doch nicht nur in Neudorf werden die Schilder erneuert. Es geht an historische Ecken bis raus zum Flugplatz. Bereits ausgetauscht sind die Erinnerungstafeln an der Kirche und am Pfarrhaus, dazu an der ehemaligen Post. Außerdem war man schon an der Oderbruchstraße, ebenso in Bärwinkel. Neu dabei sind Erinnerungen an Friedrich Engels und Karl-Marx. Insgesamt werden 20 Schilder angebracht. Eine Aktion, die vom Landkreis gefördert wird. "Ohne die finanzielle Unterstützung gäbe es jetzt hier keine neuen Schilder", betonte Vereinschef Zimmermann.
Damit die Besucher genau wissen, wo sich die markanten Orte auf dem Geschichtspfad befinden, wird beim Bollenfüßlerfest des Heimatvereins am 21. September auf dem Hof des Dorfmuseums Alte Schule ein Faltblatt herausgegeben. Das enthält dann alle Tafel-Stationen mit Infos in deutscher, polnischer und englischer Sprache. Beim Fest wird dann auch am einstigen Schulhaus die neue Tafel angebracht, ebenso das Schild als Kulturerbe-Ort. "Und im kommenden Jahr werden die Schilder in den Neuhardenberger Ortsteilen noch erneuert", kündigte Dietmar Zimmermann an.