Seit Sonnabend lockt ein neues Ausstellungsprojekt in die ehemalige Schule des Ortes. Insgesamt elf Künstler und Künstlerinnen stellen auf jeweils einem Quadratmeter Haus- und Baugeschichten im Oderbruch vor.
Die Präsentation entstand in Kooperation des "Kulturladens" des Fördervereins Wilhelmsaue mit dem "Oderbruch-Museum Altranft". Die Ausstellungsgestalter griffen das Jahresthema des Museums: "Baukultur im Oderbruch" auf und setzten es mit Bildern, Geschichten und Geräuschen um. Auf der Vernissage der Schau begrüßte Detlef Mallwitz, Hausherr des gastgebenden Instituts für Geschichten, die Gäste. Anschließend vermittelte Franziska Steuer einen Einblick in ihre Entstehungsgeschichte, die vor einem Jahr mit ersten Überlegungen zu Besonderheiten der Oderbruch-Baukultur begann.
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Schnell stellten die beteiligten Künstler in Diskussionen und beim Ideenaustausch fest, dass keine spezifische regionale Baukunst im Oderbruch entstand, es jedoch wiederkehrende grundlegende Umbrüche gab, die sich auch im Baugeschehen widerspiegelten. Dazu gehörten die Neubesiedelung des Oderbruchs nach seiner Trockenlegung, die Zerstörungen und der Bevölkerungswandel in Folge des Zweiten Weltkriegs, der Gesellschaftsumbau im Sozialismus und Veränderungen nach dem Anschluss der DDR an die BRD.
Langsam näherten sich die Projektbeteiligten der Frage: "Was erzählt die Architektur über die wechselnden Bewohner der Region und ihr Leben?" Schließlich setzten Jörg Hannemann, Nadja Hirsch, Detlef Mallwitz, Bettina Männel, Ivan Jovanovic oRSoF, Jakob Rüderich, Heidrun Schäfer, Antje Scholz, Franziska Steuer, Susanne Stühr und Almut Undisz – alle selbst "Zugezogene" – das Thema  in zumeist sehr persönlicher Auseinandersetzung mit ihrem eigenen "Ankommen" in ihrem Haus oder Atelier um. Dabei beschreiben sie mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln einen spannenden Prozess des Heimatgewinns durch eine Sublimierung zumeist ältester Bausubstanz.
Diesen Vorgang schilderte Almut Undisz in der Ausstellung und zur Vernissage anschaulich in ihrem Text: "Eroberung". Wie hunderte andere frühere Städter tauschte sie und ihrer Familie mit dem Erwerb einer "Bauruine" im Oderbruch Bequemlichkeit und Enge gegen das Gefühl, "das feine, freie Leben zu kosten" – mit voraussehbaren Baukatastrophen und Unbilden.
Bettina Männel stellt in einem Begleittext zu ihrem Ausstellungswerk "Hausgesichter" zahlreiche Fragen, unter anderem: "Hat ein Haus ein Gesicht? haben Häuser Gesichter? hat ein Haus eine Seele? sieht man die Seele oder das Gesicht?"
Letztlich wird in den interessanten Geschichten, die die Kunstwerke verdeutlichen sichtbar, es sind die Bewohner – die den Häusern "Leben" verleihen. Sie eignen sich mit den alten Mauern die Geschichte ihrer Vorgänger an und fügen deren Hinterlassenschaft zugleich ihre eigenen, im besten Fall später von ihren Kindern bewahrte, hinzu.
Bewohner sorgen für Erhalt
Ihnen ist zu verdanken, dass der Herd, um dessen Glut der Gott Zeus, nach Goethe, die Menschen beneidet, im Haus nicht erkaltet. Und sie sorgen dafür, das die einst vom Poeten Gerd Kern grandios verfasste Textzeile: "Rauch steigt vom Dach auf, das kann heißen da ist Leben." auch zukünftig Sinn und Strahlkraft behält.
DieAusstellung in der ehemaligen Schule, Hauptstraße 30, ist noch bis zum 13. Oktober samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen.