Eine FDJ-Versammlung an der Uni und einer kommt demonstrativ nicht im Blauhemd. Das hat Folgen. Am Ende spricht sich selbst der Deliquent dafür aus, dass er sich für diese Provokation ein Jahr lang bewähren muss, dann darf er an der Uni bleiben.
Die am Donnerstag eröffnete Ausstellung lebt nicht von nüchternen Fakten und Zeitleisten. Es sind die vielen kleinen persönlichen Erlebnisse, die jeder in der DDR groß Gewordene noch gut in Erinnerung hat. Historiker und Buchautor Stefan Wolle von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat viele solcher kleiner Episoden aus allen Bereichen des Lebens in kurzen Texten aufgeschrieben. Es ist selbst Erlebtes oder von Bekannten Erfahrenes.
Was bildlich in den Hintergrund gerückt ist, macht der Fotograf Harald Hauswald von der Ostkreuz-Agentur wieder sichtbar. Die Schwarz-Weiß-Bilder erwecken auf den ersten Blick  den Eindruck, dass das Leben in der DDR nur grau war. Beim genauen Hinsehen erkennt der Betrachter jedoch die Liebe zum Detail, zu den handelnden Personen, zum Alltag einer untergegangenen Republik. Hauswald hat in den 80er Jahren viel fotografiert. Bilder, die in kein Schema der Parteiführung passten, die nirgendwo gedruckt wurden. In der Plakatausstellung sind davon 100 zusammengetragen.
Der Verein hat die bemerkenswerte Schau als Premiere seines öffentlichen Wirkens nach Küstrin-Kietz geholt. „Wir fanden, dass dieser Ort sehr geeignet ist, um über den Osten zu reden, sich zu erinnern und nachzudenken“, sagt Jürgen Daniel vom Verein zur Eröffnung. Vor drei Jahren ist er mit seiner Lebensgefährtin Elke Kimmel in ein Haus am Rosendamm gezogen. Er arbeitet im Zentrum für historische Forschung in Potsdam, hat schon von Berufs wegen ein Faible für Geschichte. Über seine Mitarbeit in der Seelower Gedenkstätte kam er ins Oderland. Küstrin-Kietz habe ihn wegen seiner Geschichte fasziniert, gesteht er. Mit Gleichgesinnten gründete er im Januar den Verein, dem Uwe Bräuning vorsitzt. Ein wichtiger Akteur ist Filmemacher Tobias Lenel, der in Kuhbrücke zu Hause ist. „Ohne ihn wäre die Idee der Belebung des Bahnhofes nicht denkbar“, unterstreicht Daniel. Und auch nicht ohne die NEB. Die habe das Vorhaben, wieder Leben in das alte Bahnhofsgebäude zu bringen, von Anfang an unterstützt. Sie ermöglichte auch die Werbung für den Verein in Berlin-Lichtenberg. Ein Dank geht ebenso an Marcin Wichrowski, der alle Texte ins Polnische übersetzte. „In Marcin haben wir einen exellenten Partner, um hier auch polnische Gäste ansprechen zu können“, betont Lenel.
Traudchen Schlorke freut sich über die Aktionen am Bahnhof. Ihr Mann Heinz gehörte zu den zeitweise 300 Eisenbahnern, die in Kietz arbeiteten. Fast jede Familie war  mit der Bahn verbunden.  Die SPD-Landtagsabgeordnete Simona Koß will das Vorhaben mit unterstützen. Die Sommerradtour mit Minister Gerber soll auch zum Bahnhof und zur Ausstellung führen, steht für sie fest. „Wir werden sehen, wie wir helfen können, dass sich dieser Erinnerungsort entwickeln kann“, sagt sie. Zu diesen Erinnerungen gehören auch Alltagsgegenstände. Der Verein dankt den Einwohnern sowie der Heimatstube Bleyen, die dafür diverse Materialien zur Verfügung gestellt haben.
Ausstellung „Voll der Osten“, bis 14. Juli, jeden So und So 11 bis 17 Uhr, mit Imbissangebot, Infos unter www.verein-kietz-bahnhof.de