Wie viele Menschen sind im Laufe der Zeit wohl durch die Gewölbebrücke hindurch gefahren? Haben den Schatten der Bäume genossen, die Landluft durch das offene Fenster eingeatmet und das Tor zur Siedlung als Treffpunkt genutzt. 2016 wird die alte Brücke abgerissen und neu gebaut.
"Die Gewölbebrücke wird bis zur Gründungssohle abgebaut und etwa in gleicher Bauwerksabmessung in Breite und Höhe als Stahlbetonrahmenbrücke wieder aufgebaut", sagt Gisbert Gahler von der Deutschen Bahn. Voraussichtlich vom 11. Juli bis zum 7. Dezember soll im nächsten Jahr gebaut werden. "Eine Verschiebung kann aber nicht ausgeschlossen werden." Für etwa fünf Monate soll die Strecke demnach gesperrt werden.
Ortsvorsteher Gerd Koschmieder kennt die Probleme, die mit dem Bau einher gehen werden, nur zu gut. "Für den öffentlichen Verkehr wird der Tuchebander Weg ab Ortsausgang gesperrt sein", sagt er. Die Umleitung soll über Hackenow, dann über die B1 zurück nach Seelow und von dort aus nach Friedersdorf führen. Etwa 15 Kilometer umfasst diese Umleitung. Doch die Anwohner plädieren für eine kürzere Strecke, die derzeit jedoch nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge freigegeben ist. Da ein Teil der asphaltierten Strecke der Stadt Seelow gehört, kann sie auch darüber entscheiden und lehnte nun einen ersten Antrag ab. Die Straße sei zu schmal und die Kosten, die durch die Wiederherstellung von abgefahrenen Straßenbuchten entstehen würden, sei zu hoch, heißt es in einem Schreiben der Stadt.
"Die kürzere Strecke führt am Hang entlang, bis zum Schweizer Haus", erklärt Heinz Krause vom Ortsbeirat Friedersdorf. "Außerdem passt das Argument um die teilweise unbefestigten Straßen auf beide Strecken." Die Kosten müsse der Verursacher so oder so übernehmen, egal um welchen Weg es sich letztendlich handele. "Wir hoffen auf eine Ausnahmegenehmigung für die Anwohner", sagt Heinz Krause.
Etwa 30 Haushalte betreffe die Umleitung. Eine Anwohnerin des Tuchebander Wegs, die einen landwirtschaftlichen Betrieb hat, setzte sich bei der Ortsbeiratsversammlung dafür ein, dass sie kürzere Strecke gefahren werden darf. "Ich würde diese Variante viel besser finden, denn so oder so müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen. Die Länge ist jedoch entscheidend", sagt sie.
"Die geplanten Umleitungen sind mit der Amtsverwaltung Seelow und der Stadt Seelow abgestimmt worden", erklärt Gisbert Gahler von der Deutschen Bahn. Nötig sei der Neubau, weil die Gewölbebrücke statische und konstruktive Mängel hat, die einen sicheren Eisenbahnbetrieb in den nächsten Jahren nicht erlauben würden, so Gahler.
Nun wird der Ortsbeirat erneut an die Stadt schreiben, um vielleicht doch noch einen Kompromiss zu finden, mit dem auch die Anwohner die fünf Monate gut überstehen können.