"Damit ist Gewissheit, was wir doch schon lange vermutet haben: Odega ist Bauantragsteller für etwas, das ihr gar nicht mehr gehört", sagt Schieberle am Abend in der Runde im Grünen, vor dem Gasthaus "Am Sporn".
Mehr als 30 Dorfbewohner haben sich dort versammelt, um die nächsten Schritte im Kampf gegen die Mastanlage am Dorfrand festzulegen. Nadine Schmid begrüßt neue Mitstreiter, die nach dem medial wirksamen Protest vor dem Stall Anfang Juni dazugestoßen sind. Auch diesmal sind Reporter vor Ort: Die ARD lässt für ihre "Tagesthemen" am Freitagabend einen Bericht über den Protest gegen die Massentierhaltung im Oderbruch drehen.
Das Timing ist perfekt. Eben erst hat die Golzower Bürgerinitiative gegen die dort geplante Hähnchenmastanlage einen Sieg vor Gericht errungen. Der Baustopp gilt. So weit sind die Reitweiner noch nicht. Neben der Gemeinde haben acht Privatleute Widerspruch gegen die am 3. Juni durch das Bauamt des Landkreises erteilte Baugenehmigung für den Golzower Landwirtschaftsbetrieb eingelegt.
Johannes Darrelmann ist zuversichtlich. Das Golzower Verfahren zeige, dass "die nicht alles mit uns machen können", sagt der Reitweiner Gemeindevertreter und Rechtsanwalt. Er vertritt beide Bürgerinitiativen und weiß inzwischen, wer hinter Odega und der geplanten Geflügel-Massentierhaltung im Oderbruch steht: Ein großer Geflügel- und Schweinemäster aus seiner alten Heimat, dem Landkreis Cloppenburg.
"Ich weiß, was deren industrielle Landwirtschaft bedeutet: verseuchtes Grundwasser, Gestank und Keime. Ich will nicht, dass die hierherkommen", ruft Darrelmann in die Runde. Er geht davon aus, dass sich auch die Reitweiner zum Gang vor Gericht wappnen müssen. Der kostet Geld. Vermutlich nicht wenig. Die Hasslebener Bürgerinitiative gegen die Mega-Schweinemastanlage habe der Widerstand rund 26 000 Euro gekostet, weiß Nadine Schmid.
Die aus Berlin ins Oderbruch gezogene Journalistin hält die Fäden in der Bürgerinitiative in der Hand. Sie bietet den Privatleuten für den Fall, dass sie Probleme haben, die Widerspruchs- und Klagekosten zu tragen, die Hilfe der Gemeinschaft an. Die Stiftung Oderbruch habe ein Spendenkonto für die Reitweiner Bürgerinitiatve eingerichtet, verkündet Schmid. Sie erhofft sich bundesweite Unterstützung durch Gegner der Massentierhaltung.
Nur so wäre zu schaffen, was die Reitweiner jetzt vorhaben."Wir wollen das Areal kaufen, damit wir nicht irgendwann den nächsten Investor abwimmeln müssen", sagt Nadine Schmid. Eine "sechsstellige Summe" werde dafür nötig sein, wissen die Initiatoren.
Sie wollen das Vorkaufsrecht der Gemeinde nutzen. Nur weil die Reitweiner Abgeordneten darüber entscheiden müssen, war die Amtsverwaltung über den Grundstücksverkauf informiert worden. – Mit drei Jahren Verzug! Jetzt drängt die Zeit. Odega lässt die einstige Rinderanlage schon beräumen, berichten Anwohner.
Info: Bericht in den ARD-Tagesthemen am 24. Juli, ab 21.45 Uhr