Dieter Lehnshack und Jörg Wesner müssen ganz genau in ihre Fahr-Liste sehen. Auf der steht, in welcher Straße an welchem Grundstück eine grüne Tonne aufgestellt wurde und die möglicherweise nun abzuholen ist. Denn eine Pflicht, sie rauszustellen, gibt es nicht. Wie überhaupt der gesamte Versuch auf Freiwilligkeit basiert. Der kreisliche Entsorgungsbetrieb (EMO) hatte vier Kommunen für den Modellversuch ausgewählt - Fredersdorf, Seelow, Golzow und Alt Tucheband.
Schon am Montag und Dienstag haben die beiden Mitarbeiter von Remondis ihre erste Leerungstour absolviert und zwar in Fredersdorf. "Das Ergebnis kann sich sehen lassen", resümiert Dieter Lehnshack. "Wir haben am Montag 16,5 und am Dienstag 19,4 Tonnen abgefahren." Von solchen Mengen ist die ländliche Region weit entfernt.
Am Morgen haben Lehnshack und Wesner bereits in Golzow und allen Ortsteilen von Alt Tucheband die Tour absolviert. Die Hälfte der in Seelow stehenden Tonnen ist geleert. Die Waage zeigt gerade mal 2,4 Tonnen.
"Es wird hier wohl Suchgebiet bleiben", sieht es Remondis-Betriebsleiter Gudio Zoschke. Er ist extra aus Werneuchen gekommen, um sich ein Bild vom Start zu machen. Er erfährt: Der Inhalt ist bisher überall so, wie er sein soll. Die Bürger nutzen die grüne Tonne weniger für Speisereste als vielmehr für Grünabfälle aus dem Garten. "Ich bin zufrieden", sagt Hella Elz, als die Tonnen am "Storchennest" geleert werden. "Mein kleines Grundstück reicht nicht für große Komposthaufen. Ich musste immer zur Kompostanlage nach Libbenichen fahren. Das brauche ich nun nicht mehr."
Die Größe der Grundstücke sei es letztlich, die über Eigenkompostierung oder Nutzung der Tonne entscheidet, sieht es auch Zoschke. In den Dörfern gebe es kaum Bedarf, während die Bewohner neuer Eigenheimsiedlungen oder im berlinnahen Bereich am liebsten alle gern die grüne Tonne hätten.
Der Versuch solle letztlich Aufschluss darüber geben, wo eine Biotonne sinnvoll ist und wo man aus wirtschaftlichen Gründen eher verzichten sollte, sieht es EMO-Werkleiterin Angela Friesse. Da fast alle Landkreise derzeit erst Modellversuche starten, gebe es noch keine belastbaren Zahlen. Die erwarte man Ende des Jahres. Denn anders als beim Modellversuch Altkleidersammlung wird das Projekt "Biotonne" nicht sang- und klanglos vom Tisch gehen. "Es gibt eine gesetzliche Pflicht, dem Bürger Angebote zu schaffen, um alle Abfälle, auch die organischen, zu verwerten", betont Angela Friesse. Um überhaupt eine Gebührenkalkulation erarbeiten zu können, brauche man aber Zahlen und Fakten. Die soll Remondis liefern. "Alle Ladungen werden durch einen an der Tonne angebrachten Chip nicht nur auf jeden Haushalt bezogen dokumentiert", erläutert Gudio Zoschke. Die Ladungen werden auch fotografiert, um am Ende Aussagen treffen zu können, was alles in der grünen Tonne landet. Bei den ersten Touren gab es keinerlei Beanstandungen. Angela Friesse bedauert, dass die Seelower Wohnungsbaugesellschaft nicht - wie geplant - am Versuch teilnimmt. Ergebnisse aus Neubaugebieten seien wichtig für den Versuch. Der EMO habe sich deshalb an die Strausberger Wohnungsbaugesellschaft gewandt, die nun nachträglich mit einsteigt.
Die Bioabfälle landen übrigens in einer Vergärungsanlage in Hennickendorf. Es ist die einzige weit und breit, die solche Abfälle verwerten kann. Geleert werden die Tonnen jetzt bis Ende Dezember alle 14 Tage.
Infos: www.biotonne-emo.de