Blöken steckt an. So ist es dieser Tage recht laut in der Kleinbarnimer Schäferei. Die Schafe, die in einer Drei-Minuten-Rasur bereits ihres drei bis vier Kilo schweren Wollkleides ledig wurden, haben auch allen Grund dazu. Schließlich ist es noch recht kühl an diesem Frühlingsmorgen. Die anderen blöken aus Solidarität mit. Oder weil sie ahnen, dass ihnen Ähnliches bevorsteht. Im halbdunklen Stall arbeitet, davon unbeeindruckt, ein eingespieltes Team. Zwei bis drei Mutterschafe werden gleichzeitig rasiert. Die Helfer, auch Aufsetzer genannt, stehen bereit, falls sich ein Tier den Griffen der Scherer zur Wehr setzen sollte. Doch die meisten fügen sich ergeben dem Prozedere. Dirk Schulze, der Schäfermeister hatte vor 22 Jahren den Betrieb gegründet, nutzt die Gelegenheit, um seinen Schützlingen noch etwas "Pediküre" zukommen zu lassen.
Die Wolle wird überwiegend von Großhändlern aufgekauft, die es zur Weiterverarbeitung in aller Welt vermarkten. Einen Teil der Schafprodukte gibt es jedoch auch direkt im "Schäfchenladen im Oderbruch". Eine Internetseite dazu betreibt Steffi Schröder, die Frau des Schäfers (www. schaefchenladen.de).
Wie die meisten Schäfer im Land, so ringt auch Dirk Schulze derzeit um die Existenz seines Betriebes. Zwar verfügt der Schulze-Hof mit seiner 150 Hektar großen Ackerfläche noch über ein zweites landwirtschaftliches Standbein. Aber die Schäferei als Haupterwerb kann sich nur halten, wenn die politischen Weichen wieder so gestellt werden, dass die Schäfer von ihrem Handwerk leben können. Deshalb wollen sie am 30. April vor dem Potsdamer Landtag erneut demonstrieren.
"Wenn es so weitergeht wie bisher, dann werden wir in acht bis neun Jahren keine Schafherden mehr in Brandenburg haben", verdeutlicht Dirk Schule den Ernst der Situation. Eine Hauptforderung sei die Wiedereinführung der Mutterschafprämie. Die war 2005 abgeschafft worden, um die Förderung generell auf die Fläche umlegen zu können. "Das hat aber nicht funktioniert. Wir Schäfer wurden damit voll und ganz dem Druck ausgeliefert, der beim Ringen um die Flächen in Brandenburg entstanden ist", erklärt Schulze. Die Altbarnimer Merino-Landschafe weiden zwischen Freienwalde und Küstrin nach einem Beweidungsplan, der zur Hälfte auch Landschaftspflege vorsieht. Vor allem dafür muss es mehr Geld geben, so der Schäfer.
Die Sicherung der Betriebe sei auch für die Berufseinsteiger wie die Jungschäferin Sarah Burgmer wichtig. Die 23-Jährige, die aus Bergisch-Gladbach stammt und in Schleswig-Holstein gelernt hat, schwärmt von ihrem Beruf. Im Winter hatte sie in Altbarnim die Lammzeit miterlebt und die Schafe auf so malerischen Weiden wie der Küstriner Oderinsel gehütet. "Das ist die beste Landschaftspflege, die ich mir vorstellen kann", erklärt sie.