Noch stehen sie ganz ungestört auf ihrer Koppel. Ein wenig nieselt es, was die Pferde aber nicht stört. Ihre Boxen werden gerade ausgemistet, neues Stroh und Heu werden verteilt. Dann können die acht betagten, teilweise schwer kranken Tiere wieder in den Stall.
Seit nunmehr neun Jahren betreibt das Ehepaar den Hof, auf dem die alten und kranken Tiere ein Zuhause finden, wenn andere sie vielleicht schon eingeschläfert hätten. "Wir betreiben equine Palliativmedizin", beschreibt es Claudia Wirth. Also eine schmerzenlindernde Behandlung für Hauspferde.
Claudia Wirth und ihr Mann, Dr. Peter Karl Wirth, kommen beruflich aus der Medizin, allerdings der Humanmedizin. Er ist Facharzt für Strahlentherapie, Palliativmedizin und Hypno-Therapeut. Sie arbeitet als pharmazeutisch-technische Assistentin. In ihrer Jugend hatten sie mit Pferden zu tun, dann kamen Ausbildung und Berufsalltag dazwischen. Vor 16 Jahren fingen sie wieder an zu reiten. "Wie waren entsetzt darüber, wie die Tiere heutzutage gehalten werden", erinnert sich Claudia Wirth. "Zu dem Hof kamen wir dann wie die Jungfrau zum Kinde." Das Paar wohnte bei Müllrose im Schlaubetal und zog dann nach Görlsdorf, baute den ehemaligen Rinderstall zu einem Heim für altersschwache und kranke Pferde um.
Einen Reitbetrieb gibt es nicht, die Tiere sollen einfach in Ruhe leben, ihre letzten Tage genießen können. Die Wirths sind nach wie vor in ihren Berufen tätig, haben für den Hof Mitarbeiter eingestellt. "Aber vor und nach der Arbeit sind wir hier und an den Feiertagen sollen unsere Mitarbeiter auch frei haben", betont Peter Karl Wirth. Das älteste Tier ist beinahe 40 Jahre alt, sollte schon eingeschläfert werden. Dank liebevoller Fürsorge und ärztlicher Betreuung ist es noch am Leben. "Das sind Lebewesen mit Bedürfnissen, die einer entsprechenden Pflege und Betreuung bedürfen", sagt der Arzt. Das sei bei Menschen nicht anders. Ein fester Tagesablauf sei wichtig - Fress- und Koppelzeiten. Futter gibt es nur das beste. Die handelsüblichen Pellets werden vorher für die Tiere in warmem Wasser aufgeweicht. "Denn in der Natur fressen sie frisches, weiches Gras und weiches Holz", begründet Peter Karl Wirth die Zubereitung.
Um es den schreckhaften Tieren in der Silvesternacht so stressfrei wie möglich zu machen, verkleben die Wirths alle Stallfenster mit Pappkarton und leeren Futtertüten. Dadurch werden Raketenlichter fern gehalten. "Kurz vor Mitternacht machen wir dann leise Radiomusik an, reden den Pferden gut zu, streicheln sie und füttern in warmem Wasser aufgewärmte Möhren", sagt Claudia Wirth.