Die Aufregung war Maren Nickel deutlich anzumerken. Seit Herbert Radtke Ende Mai sein Mandat als ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt nieder gelegt hatte, war seine Stellvertreterin in die Verantwortung gekommen. Auch in die der Versammlungsleitung für die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Bürgermeister-Neuwahl.
Nach der Begrüßung der besonders zahlreich erschienenen Gäste gab Nickel zunächst eine persönliche Erklärung ab. Sie stehe an der Stelle, weil sie einst, als es um junge Leute für die Kommunalpolitik und um die Frauenquote gegangen sei, nicht "nein" sagen konnte. Das habe sie inzwischen gelernt. Und deshalb "nein" gesagt, als "einige von euch wollten, dass ich Bürgermeisterin werde", erklärte die Jugendsozialarbeiterin - bevor sie die fünf Bewerber bat, sich kurz vorzustellen.
Nur einer gab dabei ein persönliches Statement ab - Detlev Frye. Er sei viel herum gekommen, doch noch "an keinem Ort der Erde so glücklich wie hier gewesen", erklärte der AfD-Mann, bevor er die Runde daran "erinnerte", dass "wir heute keine Partei, sondern den Mann oder die Frau wählen, der oder die Lebus am besten vertreten kann". Die Meinung darüber ist im Stadtparlament geteilt, wie sich am Ende zeigte.
Nachdem sich auf Maren Nickels Frage, ob es weitere Bewerber gebe, niemand mehr meldete, ging die zuvor einstimmig berufene Wahlkommission, bestehend aus Amtsdirektor Heiko Friedemann, Wahlleiterin Iris Frackowiak und Protokollantin Undine Schulz, ans Werk. Seit dem Ausscheiden von Herbert Radtke habe die Stadtverordnetenversammlung 16 Mitglieder. Gewonnen habe, wer im ersten Wahlgang mehr als die Hälfte dieser gesetzlichen Anzahl erreicht, erklärte Iris Frackowiak eingangs. Das heißt: Für den Sieg wären neun Stimmen nötig gewesen.
Die erreichte keiner der fünf Bewerber im ersten Durchgang. Nach der geheimen Wahl stand fest: Von den 15 anwesenden Stadtverordneten - der Mallnower Michael Karcher (Linke) fehlte entschuldigt - hatten acht für die Bewerberin aus der Fraktion "Bürger für Lebus", Britta Fabig, und sechs für den Bewerber aus der Fraktion "Bürgerallianz-CDU-AfD", Detlev Frye gestimmt. Eine Stimme entfiel auf Peter Heinl (66), einen der drei externen Bewerber. Das hieß: Stichwahl zwischen den Bewerbern mit den meisten Stimmen. In der reicht laut Wahlgesetz die einfache Mehrheit, in dem Fall acht Stimmen, zum Sieg. Genau diese acht Stimmen erhielt Britta Fabig erneut. Sechs entfielen auf Detlev Frye, eine Stimme war ungültig. Die Landes-CDU hatte den Lebuser Ortsverband im Vorfeld gebeten, den AfD-Vertreter nicht zu unterstützen.
Die Amtszeit der 46-jährigen neuen Lebuser Bürgermeisterin begann unmittelbar nach der Annahme der Wahl. Damit hat sie ihr Mandat als Stadtverordnete verloren. Die Wahlleiterin kündigte an, den letzten verbliebenen Kandidaten auf der Liste der "Bürger für Lebus", Peter Heise, umgehend zu fragen, ob er ins Stadtparlament nachrücken will.
Britta Fabig bedankte sich schließlich nicht nur für das ihr entgegen gebrachte Vertrauen, sondern erklärte: "Ich hoffe, dass ich auch das Vertrauen derjenigen gewinnen kann, die mir ihre Stimme nicht gegeben haben."
Besonderen Dank zollte die frisch gebackene Bürgermeisterin den drei Lebusern, die sich als externe Bewerber zur Wahl gestellt hatten. Fabig forderte sie auf, sich als Sachkundige in den Ausschüssen des Stadtparlaments einzubringen. Ex-Bürgermeister Herbert Radtke war nicht zur Wahlversammlung gekommen.