"Bleibt alles anders", hatte Herbert Grönemeyer einmal gesungen. Ähnlich könnte auch ein Kommentar zum gescheiterten Bürgerentscheid über den Neubau eines Dorfgemeinschaftszentrums in der Karl-Marx-Allee/Oderbruchstraße lauten. 414 Gegenstimmen stehen 336 Befürwortern gegenüber. Auf beiden Seiten wurde die 25-Prozent-Hürde aller Wahlberechtigten verfehlt. Die Verfechter des neuen Hauses an dieser Stelle haben ein klares Votum dafür und damit ein vorläufiges Ende der Streites verpasst. Den Gegnern fehlten mehr als 100 Stimmen, um den Beschluss der Gemeindevertretung vom März für die Errichtung eines Bürgerzentrums außer Kraft zu setzen.
Neuhardenbergs Bürgermeister Mario Eska zeigte sich von der Schlappe nicht enttäuscht. "Der Entscheid ist so ausgegangen, wie ich es erwartet habe", sagte er der MOZ. Die Wahlbeteiligung falle bei kommunalpolitischen Themen eher gering aus. Scheinbar würden die Bürger die Entscheidungskompetenz darüber bei den Gemeindevertretern sehen, erklärt sich Eska das Fortbleiben vieler Wähler. Trotz der Mehrheit gegen den Neubau vom Sonntag ist die Sachlage für den Bürgermeister eindeutig. "Diejenigen, die den Beschluss außer Kraft setzen wollten, haben dieses Ziel nicht erreicht" sagt er. Er wünsche sich, dass daher wieder "Frieden einzieht".
Neuhardenbergs Finanzausschussvorsitzender wird da widersprechen. Martin Zohles hatte den Grundsatzbeschluss der Gemeindevertreter mithilfe eines Bürgerbegehrens auf Eis gelegt und so letztlich den Bürgerentscheid erwirkt. Er zeigte sich froh darüber, dass die Mehrheit der Wahlbeteiligten am Sonntag mit "Nein" gestimmt hat. "Natürlich ist es schade, dass wir die 25-Prozent-Hürde nicht erreicht haben. Trotzdem sehe ich den Entscheid als klares Votum", sagte er der MOZ. Im Gemeinderat wolle er daher darauf eingehen, dass der Neubau des Bürgerzentrums entgegen des Beschlusses der Abgeordneten vom Bürger nicht gewollt ist. Das belege auch die Verteilung der Stimmen in den Wahlbezirken.
Konnte zunächst davon ausgegangen werden, dass der Gegenwind zum Neubau des Dorfgemeinschaftszentrum eher aus den Ortsteilen kommt, sind sich letztlich auch die in Neuhardenberg ansässigen Wähler uneinig zum Thema. So beträgt die Zahl der Befürworter des Neubaus gerade 17 Stimmen mehr als die Zahl der Gegner. Gedreht wurde das knappe Ergebnis für den Neubau des Hauses dann letztlich in Wulkow und Altfriedland, wo eine klare Mehrheit auf dem Stimmzettel mit "Nein" votierte. Allein im Ortsteil Quappendorf stehen 15 "Ja"-Stimmen 14 "Nein"-Stimmen gegenüber.