Die „Bürgerinitiative gegen die Massentieranlage in Golzow“ hat bislang 127 Unterschriften gesammelt. Sie will erreichen, dass der Umbau der alten Milchviehställe zur Hähnchenmast nicht genehmigt wird.
Die Argumente der Mitglieder der Bürgerinitiative sind unterschiedlich. Einig ist man sich aber darin, dass die Ställe nördlich der Genschmarer Straße nicht für das „Fairmast-Verfahren“ umgebaut werden sollen. Die Odega-Tochter Landwirtschaft Golzow hat beantragt, dort 72 350 Hähnchen zu mästen. Wie in den Sachsendorfer Ställen bekommen die Vögel dort mehr Platz und Lebenszeit. Diese Tierschutzstandards wurden ursprünglich in den Niederlanden von der niederländischen Tierschutzorganisation „Dierenbescherming“ entwickelt. Die Fairmast-Kriterien erfüllen die EU-Richtlinie und die dort genannten Bestimmungen für extensive Bodenhaltung, gehen dabei aber noch über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus. Am 23. Januar will die Firma Plukon Food Group zur Grünen Woche in Berlin den Startschuss zur Fairmastproduktion in Deutschland geben. Allerdings läuft der Betrieb in Sachsendorf bereits. Dort wurde schon zum ersten Mal ausgestallt, informiert Odega-Chef Detlef Brauer. Seine Firma will die Golzower Ställe umbauen. Die Gemeinde hat dazu bereits ihr Einvernehmen erteilt.
Verhindern wollen den Umbau jedoch bislang 127 Unterzeichner eines Flugblattes der Bürgerinitiative, von denen rund 100 in Golzow wohnen. Christian Dorn gehört dazu. Beim Treffen der Bürgerinitiative am Donnerstag machte er seine Beweggründe deutlich. Als die Kuhställe Ende der 1950er Jahre gebaut wurden, habe das Haus, in dem er heute wohnt, bereits 25 Jahre gestanden. „Damals konnte man sich nicht dagegen wehren. Man hat aber unter den nahen Stallanlagen gelitten“, so Dorn. Erst seit dem Ende der Milchviehhaltung habe man dort ein normales Leben führen können. Er befürchtet nun durch die Geflügelmast eine hohe Geruchsbelastung und eine Senkung des Grundstückswertes. Die Lebensqualität werde sich verringern, ist er überzeugt.
Bis zum 7. Januar konnten Betroffene ihre Einwendungen an das Landesumweltamt schicken. Wer dies getan hat, kann zum Erörterungstermin, der am 22. Januar um 10 Uhr im Gasthaus Wagner beginnt, seine Bedenken zum Ausdruck bringen, machte Tiedke deutlich. Bertold Knospe ist Imker. Er befürchtet, dass die Abluft aus der Mastanlage die Insekten insgesamt und seine Bienenvölker insbesondere schädigen wird. „Diese negativen Auswirkungen werden auch die Gartenbau- und Landwirtschaftsbetriebe zu spüren bekommen“, ist er sicher. Karina Kafidoff befürchtet ebenfalls den Wertverlust ihres Grundstücks. Dies treffe die Anlieger der Gartenstraße, die aktuell gerade von der BVVG aufgefordert wurden, die von ihnen genutzten  Gärten Richtung Kleinbahndamm zu kaufen, besonders hart. Denn sie sollen dafür Baulandpreise bezahlen, die möglicherweise nach dem Bau der Mastanlage gar nicht mehr zu erzielen sind.
Peter Tiedke hingegen spricht sich generell gegen Massentierhaltung aus und verweist auf die Lage der Ställe an der Grenze zum Vogelschutzgebiet. Die Gefahr der Ausbreitung der Vogelgrippe sei dort besonders hoch, betont er nach Rücksprache mit Fachleuten.
Odega-Chef Detlef Brauer betont auf Nachfrage, dass er jederzeit für Gespräche mit besorgten Bürgern offen sei. Zugleich weist er aber einige der Vorwürfe als haltlos zurück. Bislang sei noch niemand von der Bürgerinitiative auf ihn zugekommen.