Zahlreiche Einwohner von Küstriner Vorland fanden am Montag den Weg zur Gemeindevertretersitzung ins Küstrin-Kietzer Kulturhaus. Die Bürgerinitiative B 1 hatte sie zur Teilnahme aufgerufen. Deren Co-Sprecherin Gisela Henschel erklärte in der Bürgerfragestunde, dass sie durch die Märkische Oderzeitung über die Vertragsunterzeichnung für den Bau der neuen Straßenbrücke über die Oder in Kostrzyn/Küstrin erfahren habe. Sie fragte die Gemeindevertreter und die Amtsführung, was sie denn nun zu tun gedenken, da ganz offensichtlich ist, dass die Brücke bis zum Jahre 2025 gebaut werden soll.
Amt unterstützt Initiative
Amtsdirektor Lothar Ebert machte deutlich, dass die Verwaltung bereits seit langem die Bürgerinitiative B 1 unterstütze. Sie habe dabei geholfen, die Protestbanner zu organisieren, die überall im Oderbruch an den Straßen stehen. Zudem habe die Verwaltung quasi als Sekretariat der Initiative die verschiedenen Informationsveranstaltungen auch mit dem Landkreis organisiert. Aber die Organisation des Protestes der Anwohner der B 1 gegen die zu erwartenden zu hohe Verkehrsbelastung müsse von den Bürgern selbst ausgehen. "Die Amtsverwaltung ist Behörde", betonte Ebert. Das wiederum rief Klaus Henschel aus Manschnow auf den Plan. Er erklärte, dass die Verwaltung nicht neutral sein könne, wenn die Sicherheit der Bürger in Gefahr sei. Ebenso erwartete Jörg Stahnke, dass sich das Amt für die Bürger einsetzt.
Daraufhin machte der Amtsdirektor deutlich, dass das Amt auf der Seite der Bürger stehe und sich dabei mehr engagiere als andere Verwaltungen in der Region. Der breite Protest der Basis, also der Bürger, sei aber das wirksamere Mittel, um zu erreichen, dass Umgehungsstraßen geplant und Verkehrsberuhigungen gebaut werden. Auch der Küstrin Vorländer Bürgermeister Werner Finger beteuerte, dass die Gemeinde voll hinter der Bürgerinitiative stehe und sie unterstütze.
Für Gudrun Wurl, Vorsitzende des Amtsausschusses von Golzow, gibt es kaum eine Alternative, als den Protest wieder auf die Straße zu tragen. In puncto Oderstraßenbrücke erwarte sie auf der B 1 und den abzweigenden Straßen im Oderbruch wie der L 33 und der B 112 eine "vollkommenes Chaos". Anlässlich des Binnenhochwassers vor neun Jahren hatten die Oderbrücher auf der B 1 für den Bau wirksamer Entwässerungsgräben demonstriert. Astrid Bialek, langjährige Ortsvorsteherin von Küstrin-Kietz, betonte, dass es bereits jetzt, ohne den Lkw-Verkehr aus Polen, regelmäßig zu Staus auf der B 1 komme.
Verkehrschaos erwartet
Erwartet wird, dass etwa 1000 LKW am Tag zusätzlich über die Oderbrücke  zur B 1 rollen. Der Verkehrsstrom werde auch für die Stadt Kostrzyn Probleme bringen, erklärte Andreas Köhler  aus der Manschnower Friedensstraße. Er berichtete von den zahlreichen LKW, die von Kostrzyn aus in Richtung Autobahn nach Frankfurt rollen. Die würden dann auf dem kürzeren Weg zur B 1 fahren. Für Orte wie Manschnow, wo es noch keine Umgehungsstraße gibt, werde sich die Situation dramatisch verschlechtern, wurde deutlich gemacht. Die Bürgerinitiative B 1 trifft sich am Freitag um 18 Uhr im Manschnower Bürgerhaus.