Der Geschichtsverein will mit dem Johannes-Preis Persönlichkeiten würdigen, die sich um das historische Erbe Küstrins verdient gemacht haben. Und da fiel die Wahl des Vorstandes um Martin Rogge und Andy Steinhauf nicht von ungefähr auf den 1922 in Küstrin geborenen Arzt Dr. Rudolf Herbert Tamm.
Der in Garbsen (Niedersachsen) lebende Verfasser der Festschrift zur 100jährigen Wiederkehr der Gründung des historischen Vorgänger-Vereins sowie zahlreicher historischer Abhandlungen zur Stadtgeschichte hatte dem Verein bereits vor einigen Jahren mit seinem Nachlass ein wichtiges Erbe hinterlassen. Der wird nun sorgsam gesichtet und einsortiert. Heute gehört Tamm zu den letzten lebenden Zeitzeugen des alten Küstrins. Sein Vater war der Küstriner Brauereibesitzers Gustav Rudolf Tamm, Vorstand der Küstriner Privilegierten Schützengilde sowie Mitglied des Historischen Vereins. Seine Erlebnissen als Kind bei Besuchen im Friedrichmuseum mit der Schulklasse oder vom Herumstreichen in der historischen Altstadt ergänzte er später durch intensives Studium der Quellen und Archive. Zahlreiche Beiträge hat Dr. Tamm für die Neumärkischen Heimatkalender geschrieben. So hat er 2009 Erinnerungen an seinen ersten Schulweg zur Knabenvolksschule Küstrin wach werden lassen. Die Geschichte des jüdischen Lebens in Küstrin - ein widersprüchlicheres Thema ist kaum denkbar - brachte Dr. Tamm 2007 den Lesern der Märkischen-Oderzeitung nahe. Anlass war eine Serie aus Anlass der 775-Jahr-Feier der Festungsstadt. Ein wichtiges Anliegen war es ihm stets, über die tatsächliche Geschichte aufzuklären und mit Vorurteilen aufzuräumen. Gemeinsam mit Hans-Gottfried Bluhm, Burkhard Regenberg und Wolfram Pflug hatte er dafür gesorgt, dass das umfassende Werk "Kreis Königsberg/Neumark" erscheinen konnte, das heute vielen noch immer als wichtiges Nachschlagewerk dient.
Reinhard Schmook, Leiter des Oderlandmuseums und des Schlosses Freienwalde, würdigte den Johannes-Preisträger in seiner Laudatio.