Der Beschluss fiel am Ende fast einstimmig: Bis zum November soll der Antrag zur Anerkennung der Kulturlandschaft Oderbruch als europäisches Kulturerbe ans Kultusministerium des Landes übergeben werden. Federführend für den Antrag werden neben den Mitgliedern einer interkommunalen Arbeitsgruppe, der Initiative Kulturerbe Oderbruch,die Mitarbeiter des Museum Altranft sein. Heike Schönherr und Tobias Hartmann vom Museum sind die Koordinatoren des Projektes.
Die Zeit drängt. Denn noch sei das europäische Kulturerbe-Siegel, das erst seit Kurzem verliehen wird, nicht so bekannt. Jedes EU-Mitgliedsland dürfe alle zwei Jahre nur zwei Erbestätten vorschlagen. Nur eine davon bekommt das Siegel, erklärte Hartmann auf dem Landschaftstag.
Den Initiatoren aus dem Oderbruch ist bewusst, dass es ihre Bewerbung in Brüssel schwer haben könnte. Denn das Landschafts- und Wassersystem des Oderbruchs ist kein historisches Bauwerk, wie etwa eine Burganlage oder Kirche. Die Kulturlandschaft unterlag und unterliegt der ständigen Veränderung. Doch genau damit will man werben: Der größte besiedelte Flusspolder Europas versinnbildliche wirtschaftlich und kulturell vieles vom Kontinent, sei eine Art Klein-Europa, heißt es.
Mit Interesse nahmen die Vertreter der Oderbruch-Gemeinden, Mitglieder von Vereinen, Gewerbetreibende und anderen Teilnehmer des Landschaftstages zur Kenntnis: Das Erbe-Siegel zeichnet keinen Status Quo aus. Es gehe um den Nachweis von Aktivitäten, wie das europäische Kulturgut erhalten, gepflegt und der Öffentlichkeit bekannt und erlebbar gemacht wird, betonte Tobias Hartmann.
Dazu eröffnet das Museum Altranft im April eine neue Dauerausstellung und beginnt, ein Netzwerk von Kulturerbestätten im Oderbruch auszuweisen. Als erste derartige Erbestätte soll am Internationalen Museumstag, dem 21. Mai, das Korbmachermuseum in Buschdorf mehrsprachig ausgeschildert und um einen Ausstellungsbaustein zum Kulturerbe ergänzt werden, wurde am Sonnabend bekannt gegeben.
Doch das alles kostet Geld. Rund 20 000 Euro Kosten haben die Koordinatoren allein für die Antragstellung veranschlagt. Sie wären noch höher, wenn nicht Bund, Land und Landkreis die Kräfte zur Förderung der Neuaufstellung des Altranfter Museums bis 2020 gebündelt hätten, in dem das Kulturerbe-Projekt angesiedelt ist.
Man könne auf die Unterstützung des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree und der Bad Freienwalder Tourismus GmbH bei der Ausweisung und Vermarktung der "Kulturroute Oderbruch" und auf die Hilfe des Landesdenkmalamtes für Erhaltungsmaßnahmen an wichtigen Kulturerbestätten zählen, berichteten die Projekt-Koordinatoren.
Was die Finanzierung betrifft, so beginnt man nicht bei Null. Denn seit 2015 haben die Städte Wriezen und Bad Freienwalde sowie die Gemeinden Letschin, Golzow, Neutrebbin, Neulewin, Oderaue und Bliesdorf in den Kulturerbe-Fonds eingezahlt, der von der Stiftung Oderbruch verwaltet wird. Dazu legte Stiftungsrätin Gudrun Wendt in Kienitz Rechenschaft ab.
Doch das Geld reicht längst nicht. Deshalb ging vom Landschaftstag der Aufruf an alle Oderbruch-Gemeinden zwischen Lebus und Bad Freienwalde aus, sich mit einem Pro-Kopf-Beitrag an der Finanzierung des Projektes zu beteiligen. Vorgeschlagen sind bis 2019 jährlich 20 Cent je Einwohner. Denn erst im März 2019 würde die EU-Jury über die Zuerkennung des Siegels entscheiden, so Heike Schönherr. Stirnrunzeln riefen bei Teilnehmern des Landschaftstages vor allem die veranschlagten Folgekosten in Höhe von jährlich rund 60 000 Euro ab 2020 hervor.
Doch nicht nur kommunales, auch privates Engagement ist fürs Stemmen des Erbe-Antrags gefragt, wie Gudrun Wendt betonte. Gerhard Ihrig aus Letschin will dem Spenden-Aufruf folgen. "Wir verteidigen mit solcher Unterstützung letztlich unser Oderbruch, unsere Heimat", erklärte der Architekt.
Viele Detailfragen zum Kulturerbe-Antrag wurden am Sonnabend im Saal des Gasthauses "Zum Hafen" noch erörtert. Auf die Frage, ob man nicht ausdrücklich die Sicherung von Deich und Entwässerung fordern müsse, erklärte Kenneth Anders: Man sollte jeden Eindruck verhindern, dass es sich um ein "verkapptes Naturschutzprojekt" handele. Und die Sicherung der Entwässerung sei schließlich die Voraussetzung für den Erhalt der Kulturlandschaft Oderbruch.
Kontakt: kulturerbe@museum-altranft.de; Tel. 03344 155 39 01; wendt@stiftung-oderbruch.de; Tel. 0173 92 36 500