Es war im Herbst vorigen Jahres, als Reitweins Gemeindearbeiter Michél Schröder turnusmäßig die Bankette der Loose-Straße in Richtung der „Diplomatentreppe“ am Oderdeich reinigte. Plötzlich stand sein Fahrzeug schräg: Ein Loch tat sich auf, eine Biberröhre war eingebrochen. Sie verläuft unter der Straße durch. Und nicht nur diese.

20 Biberlöcher auf 900 Metern Straße

Beim Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Gewässer- und Deichverbandes Oderbruch (Gedo) und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises fanden sich allein auf dem etwa 900 Meter langen Straßenabschnitt vom Deichparkplatz an der Diplomatentreppe bis zur nächsten Kreuzung etwa 20 Biberlöcher, berichtet Reitweins Bürgermeister Detlef Schieberle.
Die Experten hätten gesagt, das müsse schnellstens gemacht, also die Biberschäden im Straßenraum müssten beseitigt, der Straßenkörper vor weiteren Aktivitäten der aktiven Nager geschützt werden, erinnert sich der Vorsitzende des Bau- und Ordnungsausschusses der Gemeinde, Johannes Große-Darrelmann.
Begründung der Experten: Im Ernstfall, also zum Beispiel beim nächsten Oder-Hochwasser, müsse schweres Gerät über die schmale Ortsverbindungsstraße zum Deich rollen können. Denn der normalerweise von Touristen genutzte Parkplatz an der Diplomatentreppe ist im Ernstfall Katastrophenschutz-Lagerplatz. Bleibt die Frage: Wer soll die nötigen Arbeiten bezahlen?

Neue Förderrichtlinie verunsichert

Bislang sei die Lage, zumindest, was den Biberschutz betrifft, eindeutig gewesen: Das Land zahlt ihn zu 100 Prozent. Doch Anfang Dezember sei die Richtlinie „zur Förderung von Präventionsmaßnahmen ... zum Schutz vor Schäden durch geschützte Tierarten (Wolf, Biber)“ geändert worden, weiß Detlef Schieberle. In ihr ist für den Biberschutz jetzt nur noch von „bis zu 100 Prozent“ Förderung die Rede.
Zwar dürfen, anders als beim Wolfsschutz, auch Gemeinden die Hilfe beantragen. Aber der Schutz von Straßen und die Beseitigung von Biberschäden in selbigen fehlen in der Liste der förderfähigen Maßnahmen. „Die Reparatur von Straßen ist über die Richtlinie nicht vorgesehen“, bestätigt Brandenburgs Biberbeauftragte Lisa Giese. Sie war beim Vor-Ort-Termin an der Diplomatentreppe dabei und hat die Böschungssicherung im neben der Straße verlaufenden Entwässerungsgraben empfohlen.

300.000 Euro allein für den Biberschutz

Fakt ist: Allein für den Biberschutz dort sind Kosten von rund 300.000 Euro veranschlagt. Eine Bewilligung von Fördermitteln gebe es bislang nicht, sagt Reitweins Bürgermeister auf Nachfrage.
Für die Sanierung der durch den Biber untergrabenen und abgesackten Straßenbereiche sind weitere rund 120.000 Euro Kosten ermittelt worden. Das ist viel Geld für die kleine Oderbruchgemeinde, deren innerörtliche Straßen stark sanierungsbedürftig sind. Und zwar gebe es eine Förderrichtlinie zur Sanierung von Gemeindestraßen – „aber der Deich- und Katastrophenschutz ist da als Förderziel nicht vorgesehen“, hat Johannes Große-Darrelmann erfahren müssen.

Parkplatz am Deich ist „strategisch wichtig“

„Der Parkplatz an der Diplomatentreppe ist für den Landkreis strategisch wichtig. Wir sind sehr daran interessiert, dass er nutzbar bleibt“, sagt Kreissprecher Thomas Berendt. Und ergänzt: Das gelte gerade für Zeiten wie jetzt, da man sich „intensiv auf ein mögliches Eishochwasser“ vorbereite.
Die Reitweiner Vertreter halten das bisherige Bibermanagement im Deichvorland für verfehlt: „Die Biber haben sich ungebremst vermehrt. Die sind auch im Deich und haben weitere Straßen im Bruch unterhöhlt“, weiß Detlef Schieberle. Er fordert „eine nachhaltige Strategie zum Umgang mit dem Biber und nicht dieses Klein-Klein“. Bibermanagerin Lisa Giese verweist auf die Biberverordnung des Landes, die das Vergrämen und Entnehmen von Bibern in Deichnähe ja erlaube. Die Möglichkeit werde „in MOL auch genutzt“.