Als das Eiserne Hochzeitspaar sich 1949 in Kienitz das Ja-Wort gab, hatte das Akkordeon aufgespielt und zu trinken gab es selbstgebrannten Schnaps aus Kartoffeln und Rüben, wie Egon Homann berichtet. Ohnehin sei alles selbst gemacht gewesen. "Aus Kartoffelmehl wurden die Torten gebacken", erinnert sich die 81-jährige Ruth Homann, die bei ihrer Hochzeit gerade 16 Jahre alt war. Auf dem Hochzeitsfoto ist sie neben dem schmächtigen Egon zu sehen, der als Jugendlicher aus Westpreußen nach Sibirien verschleppt worden war. Nach dem Krieg kam der heute 85-Jährige nach Kienitz.
Heimatlos angekommen, hat der gelernte Dreher zunächst als Maurer gearbeitet und nach Feierabend auf der Siedlung von Ruths Eltern geholfen, die ihr Haus in Neufriedland zu diesem Zeitpunkt verpachtet hatten. Auf der Siedlung hatte sich das Eiserne Hochzeitspaar 1947 kennengelernt. Schon bald war Tochter Liane unterwegs, die nun selbst 65 Jahre alt ist und ihren Eltern zum Hochzeitstag am Karfreitag unter die Arme griff.
Denn so richtig wollen die Knochen des Paares nicht mehr. Und trotzdem raffen sie sich immer wieder auf. Während Egon regelmäßig mit der Gehhilfe auf der L34 Bewegung sucht, kümmert sich Ruth um Garten und die zehn Hühner.
Beruflich blieben beide Zeit ihres Lebens in der Region verwurzelt. 1966 übernahmen Homanns das Haus der Eltern in Neufriedland, in dem Ruth auch geboren wurde. Dort leben sie bis heute. Weit gereist seien sie nicht, berichtet Ruth Homann. Egon habe später seine Mutter häufiger besucht, die es nach dem Krieg nach Langenfeld bei Düsseldorf verschlagen hatte. Egons Schwester besuchten beide in Sachsen. Heute ist die Familie klein. Neben Tochter Liane haben den Homanns zwei erwachsene Enkelkinder.