Am Hochfrequenz-Generator stellt sie Boßan ein. Dann sucht er seinen "Speicher-Sender" an einem alten Röhrenradio mit Namen Dominante aus dem VEB Funkwerk Dresden und spricht ins Mikrofon. Die anwesenden Radio-Sammler und Hobby-Funker, die ihm dabei zusehen, strahlen.
Wer das Dorf verlässt wird ihn nicht mehr hören. Denn die Sendeleistung deckt gerade einen Umkreis von etwa 200 Metern ab. Eine Renaissance der Mittelwelle wird Karl-Heinz Boßan daher nicht einleiten. "Der Wirkungsgrad ist zu schwach", erklären die Radio-Freunde, die sich um ihn versammelt haben. Wer sein Signal über weite Distanzen schicken will, hat einen hohen Energie-Aufwand. "Außerdem ist die Tonqualität nicht so gut wie auf UKW", erläutert Karl-Heinz Boßan.
Trotzdem hat der Empfang von Radiossendern über die Geräte aus den Zeiten von Oma und Opa - so der Titel der Dauerausstellung im Kunstspeicher - durchaus Charme. Tschechien, Polen, Schweden - in einigen Länden senden Stationen noch über Mittelwelle. Und auch für regionales Programm hat Karl-Heinz Boßan einige Visionen. "Der Bürgermeister könnte jeden Sonnabend zwischen 9 und 12Uhr über Neuigkeiten aus dem Ort informieren", schwebt ihm vor. Man könnte einen Bericht in der Kita des Ortes sowie Konzerte in der Kirche aufnehmen, um das Programm zu ergänzen. Zu empfangen wäre das dann sogar über das antike Acrolette 3 aus dem Jahre 1928, das ebenfalls auf dem Speicherboden ausgestellt ist.
Die Ausstellung "Radios aus den Zeiten von Oma und Opa" ist Di - So, von 11 -18 Uhr im Kunstspeicher Friedersdorf zu sehen