Hier muss doch endlich mal was passieren", sagt Siegfried Niemann und guckt erbost über die Landschaft. Dabei lädt der Blick über den Wermelinsee bei Worin eigentlich zum Träumen ein. Idylle pur. Die Schwäne ziehen ihre Runden übers Gewässer, Vögel zwitschern und die ersten Schneeglöckchen strecken ihre weißen Blüten gen Himmel. Doch dafür hat der Woriner keinen Blick. Ihn stören die Schäden an den Bäumen – verursacht vom Biber.
Einstigem Jäger blutet das Herz
"Wir haben doch schon 2016 in einem MOZ-Artikel die Biberschäden dokumentiert. Und die Probleme bestanden da auch schon 15 Jahre", erinnert sich der heute 71-Jährige. Seither habe sich die Lage sogar noch verschlimmert, fügt er an. Siegfried Niemann muss es wissen – war er doch mehr als 40 Jahre westlich und südlich des Wermelinsees auf gut 200 Hektar Land als Pächter für die Pflege des Waldgebietes zuständig. Das Gewässer sowie große Teile der umliegenden Wälder, in denen Siegfried Niemann gejagt hat, gehören Gebhard Graf von Hardenberg, der in der Komturei Lietzen ansässig ist und Landwirtschaft betreibt. Die Hardenbergs sollen den See einst gewonnen haben. Ob das wirklich stimmt, wisse er aber nicht mit Sicherheit sagen, sagt Niemann schmunzelnd. Dass allerdings auf dem Privatland der Biber sein Unwesen treibt, das sehe er an vielen Stellen des für die Öffentlichkeit durch das Waldgesetz weiterhin zugänglichen See. "Besonders auf Eichen scheint der Biber es abgesehen zu haben", sagt er. Seit 1969 lebt er in Worin, die Schäden des Nagers seien noch nie so schlimm wie jetzt gewesen.
Als Sohn eines Großbauern kam der gelernte Schlosser seit frühester Kindheit mit Tieren in Berührung. Seine Begeisterung für die Schönheit der Natur, für Pflanzen und Tiere ist ihm anzumerken. Und sein Schmerz auch, wenn er auf die umgefallenen und angenagten Bäume schaut. Davon gibt es rund um den Wermelinsee viele, wie er bei einer Tour zeigt. Alte aber auch immer mehr frische Wunden an den Eichen zeigt er am See, auch an der Jungfernheide, sogar am Mühlenfließ. Hier hat der Nager sogar einen Biberdamm aufgestaut, holt sich ständig neues Material für seinen Bau. "Der Deichverband war auch schon hier, hat ein Plastik-Rohr verlegt, das den Nager abhalten sollte. Das hat nicht geklappt, denn das Wasser staut sich immer noch", erzählt Siegfried Niemann.
Drahtzäune als Lösung
"Dabei sind Eichen doch ein teures Gut. Kürzlich wurde bei einer Auktion im mecklenburgischen Malchin für einen Kubikmeter Holz 1274 Euro in einer Versteigerung erzielt." Das hieße jeder große Baum sei gut 738 Euro wert. "Wir haben hier Hunderte stehen, die Sauerstoff bilden." Dass man eher Biber schütze als den Wald, das versteht Niemann nicht. "Für die Schäden müssten meiner Meinung nach der Naturschutzbund und die Grünen aufkommen", sagt er und würde sie gern zu Zwangszahlungen fürs Neuaufforsten sowie Arbeitseinsätze verpflichten. "Der Wiederabschuss der Biber und Drahtzäune um die Stämme, das wäre für die Eichen die einzige Rettung", so Niemann. Die Biberschäden auf Gemeindeland wie bei der Wassermühle Worin oder am Raaksee in Neuentempel, hat sich die Amtsverwaltung von Seelow-Land jüngst angesehen. Ausgewertet wird die Tour nun in den Sitzungen der Ortsbeiräte.