Herbert Radtke hatte das Schreiben seines polnischen Amtskollegen Andrzej Zablocki mit in die Beratung des Haupt- und des Bauausschusses der Lebuser Stadtverordnetenversammlung gebracht. Zablocki hat sich als Bürgermeister von Witnica und Vorsitzender des deutsch-polnischen Vereins "Educatio Pro Europa Viadrina" mit einer Bitte an den Lebuser Bürgermeister gewandt: In Lebus soll ein Gedenkstein für Mieszko I. errichtet werden.
Bei dem handelt es sich nicht um jenen legendären ersten polnischen Piasten-Herzog, dessen Konterfei der 10-Zloty-Schein trägt. Jener Mieszko I. lebte bereits 945 bis 992. Der gleichnamige Herzog von Schlesien und Lebus wurde etwa 300 Jahre später geboren: Mieszko von Lebus kam zwischen 1223 und 1227 als Sohn von Herzog Heinrich II., genannt der Fromme, und der Königstochter Anna von Böhmen zur Welt.
Sein Vater wies Mieszko die Burg Lebus als Residenz zu. Deshalb wird der Herzog in der Literatur als "Mieszko von Lebus" bezeichnet - auch wenn er dort nur ein Jahr lang, von 1241 bis 1242, gelebt hat. Mieszko von Lebus starb sehr früh und ohne Nachkommen zu hinterlassen.
Der Fürst ist in der Lebuser Petri-Kirche und nicht in der Grabkirche der Piasten-Dynastie in Lebus beigesetzt worden. Die Petri-Kirche stand unterhalb der Burg, auf dem Gelände des heutigen Amtsgartens. "Dort, wo sich heute die Stufen zum Friedhof befinden, stand einst die älteste Kirche von Ostbrandenburg", heißt es auf der Internetseite der Heimatverein Lebus zum "historischen Stadtrundgang durch Lebus".
Der Heimatverein um den Lebuser Stadtchronisten Manfred Hunger hat sich bereits an die Vorbereitung gemacht, um Andrzej Zablockis Wunsch erfüllen zu können. Die Konzeption für das geplante Mieszko-Denkmal ist in Arbeit.
Im Amtsgarten sollen ein Gedenkstein mit einer Metalltafel und eine zweisprachige Informationstafel zu Mieszko von Lebus sowie eine Bank aufgestellt werden. Manfred Hunger geht davon aus, dass auf der Informationstafel der "historisch sehr wichtige Vater Heinrich II." erwähnt wird. Angesichts dessen sei zu überlegen, ob auf dem Stein auch das Wappen der schlesischen Piasten, ein schwarzer Adler, abgebildet sein sollte, heißt es im Konzeptentwurf des Heimatvereins.
Die "Erwartungen an die Stadt(verwaltung) Lebus sind bezüglich der Umsetzung unseres Projektes sehr bescheiden: Wir möchten Sie bitten, dem Vorhaben zuzustimmen, uns einen geeigneten Ort für das Aufstellen von Gedenkstein und Bank nennen sowie uns einen Hebekran mit einer Tragelast von fünf Tonnen zur Verfügung zu stellen. Alle anderen erforderlichen Arbeiten würden unser Verein sowie die Gemeinde Witnica erledigen", schreibt Andrzej Zablocki. Der Bürgermeister von Witnica bezeichnet Mieszko von Lebus als "historische Persönlichkeit", die als "Beispiel für die gemeinsame Geschichte" stehe.
Herbert Radtke wird das Anliegen vermutlich am Donnerstagabend vortragen, wenn sich die Lebuser Stadtverordneten zu ihrer nächsten Beratung im Kulturhaus der Oderstadt treffen.