Vier davon hält das Ehepaar auf dem Hof mitten in Görlsdorf, den es vor fast genau zwei Jahren gekauft hat – Hals über Kopf, wie sich Claudia Wirth erinnert. Denn damals standen Wirths plötzlich mit drei quasi obdachlosen Pferden da. „Wir hatten die Drei freigekauft“, erklärt Claudia Wirth.
Sie bezeichnet den heute etwa 30 Jahre alten Fuchs Mignon, den 21-jährigen Pedro und den Hengst, der auf den Namen „Bengelchen“ hört, als „die drei schlimmsten Fälle“, die sie auf einem Reiterhof erlebt hatte. Auf jenem Hof im Oder-Spree-Kreis, auf dem Claudia und Peter-Karl Wirth nach beruflich bedingter längerer Pause ihrem Hobby, dem Reiten, seit dem Jahr 2000 wieder nachgehen wollten.
„Leider haben wir feststellen müssen, dass die Pferde dort weder gut untergebracht noch versorgt worden sind“, erinnert sich Claudia Wirth mit Schrecken. Der schwarze Pedro, ein ehemaliges Turnierpferd, sei „total abgemagert“ gewesen. Noch heute leidet das Pferd an einer Allergie. Es braucht täglich Medikamente. Dem Fuchs Mignon dankte keiner mehr, dass er als Polosportpferd sagenhafte zwölf Wettkampf-Saisons lang treue Dienste geleistet hat. Als Folge des Leistungssports leidet der Fuchs unter einer chronischen Bronchitis. Und dass sich hinter „Bengelchens“ Verweigerung beim Reiten kein schlechter Charakter, sondern sehr schmerzhafte Skelettprobleme, Blockierungen, und so genannte Wolfszähne verbargen, das erkannte auf dem Reiterhof auch niemand.
Als Wirths wieder und wieder auf die Probleme aufmerksam machten, wurden sie als „Nörgler“ abgestempelt und des Hofes verwiesen. Die drei kranken Pferde nahmen sie mit. Doch wohin? „Wir hatten ein Haus in Schernsdorf gebaut. Aber da gab es nichts, wo man Pferde unterbringen könnte“, sagt Claudia Wirth.
Die Zwischenlösung Pferdepension erwies sich als zeitaufwendig und unbefriedigend. Denn nirgendwo seien die Bedingungen so gewesen, wie sie es sich vorgestellt habe, so die pharmazeutisch-technische Assistentin. Auf der Suche nach einem geeigneten Hof stießen Wirths dann auf den zum Verkauf stehenden alten Bauernhof in Görlsdorf.
„Wir haben damals binnen drei Wochen gekauft und sind mit den Tieren eingezogen“, erinnert sich die Pferdeliebhaberin. Das Paar wohnt jetzt in drei Zimmern über dem Stall. Denn in dem um 1900 erbauten Backstein-Bauernhaus gehen Stall und Wohnung ineinander über. Ihr Haus in Schernsdorf haben die Wirths vermietet.
Und sie haben alles getan, um ihren vierbeinigen Schützlingen – als vierter kam der 20 Jahre alte, einst als Springpferd sehr erfolgreiche „Lanzelot“ dazu – beste Bedingungen zu schaffen: Die großen Boxen im Pferdestall sind mit gelenkschonenden Spezialmatten ausgelegt und werden mit Tageslichtlampen beleuchtet. Luftfilter sorgen für eine saubere Stallluft, die vor allem für allergische Tiere wichtig ist. Die Tiere kommen täglich auf die zwei Hektar große Weide direkt vor der Stalltür. Und wenn ein Gewitter oder anderes Unwetter heraufzieht, bringt die Mitarbeiterin, die Wirths fest angestellt haben, die Tiere in den Stall zurück. Die Tierheilpraktikerin sieht regelmäßig nach den Patienten und seit Kurzem ist sogar Magnetfeldtherapie im Stall möglich. Kein Wunder also, dass man im Dorf vom „Pferde-Sanatorium“ spricht.
In dem ist übrigens noch Platz – für bis zu vier Pferde. „Am liebsten wären uns alte Pferde, die würden am besten zu unserer kleinen Herde passen“, sagt Claudia Wirth.
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