"Er war ein richtiger Kerl. Kein Dozent, der nur seine Sicht gelten ließ", plaudert Christa Sammler. Die in Berlin lebende Künstlerin war zwei Jahre Meisterschülerin bei Gustav Seitz. Noch heute erinnert sie sich gern an die Stunden im Atelier und bei Seitz zu Hause, wohin er seine Meisterschüler regelmäßig einlud. Er sei völlig uneitel und zutiefst menschlich gewesen. Dass nun in Trebnitz ein Gustav Seitz Zentrum entsteht, freut sie riesig.
Sylvia Hagen, die Bildhauerin aus Alt Langsow, hat Seitz, der zu den bedeutendsten Künstlern der Nachkriegszeit zählt, nicht mehr kennengelernt. Wohl aber weiß sie viel aus seiner Lehrtätigkeit an der Akademie der Künste. Ihr Mann, der Bildhauer Werner Stötzer, gehörte zu Seitz' Meisterschülern. Oft hat Stötzer von seinem Lehrer erzählt, Begegnungen und Anekdoten in seinen Büchern und Katalogen festgehalten. Sylvia Hagen schenkt Kulturministerin Sabine Kunst solch ein Büchlein.
Die unterstreicht ihre Bewunderung für Gustav Seitz. Es sei ein schönes Geschenk, an dessen 109. Geburtstag die Käthe-Kollwitz-Figur einzuweihen, befindet sie. Seitz habe stets nach der idealen Form gesucht und die menschliche Figur zu seinem Hauptthema gemacht. "Als Humanist hat er sich dabei in seinem Werk immer zur Menschlichkeit bekannt", würdigt sie. Dafür stehe auch das Leben und Wirken von Käthe Kollwitz. Die Figur, die nun im Garten der Remise ihren Platz hat, verinnerliche das Unbeugsame dieser großartigen Frau.
Bernd Schälicke, Vorstandsvorsitzender der Gustav Seitz Stiftung Hamburg, verweist auf einen besonderer Aspekt der Figur, die ein Vorläufer des großen Denkmals in Berlin Prenzlauer Berg ist. "Niemals zuvor, seit den alten Ägyptern, durfte eine Bürgerin auf einem öffentlichen Denkmal thronen", erklärt er. Zu Ehren der großen Käthe Kollwitz sei dieses Tabu erstmals gebrochen worden. Allein das sei Grund genug, ihres Todes vor 70 Jahren - Käthe Kollwitz starb kurz vor Kriegsende - zu gedenken. Mit der Figur in Trebnitz lasse sich wunderbar die Entstehungsgeschichte eines Denkmals verfolgen .
Landrat Gernot Schmidt bekennt, dass er stolz sei, dass in diesem Ort ein Gustav-Seitz-Zentrum entsteht. Der Kreis ist Gründungsmitglied des Vereins Schloss Trebnitz. "Ich bin stolz, dass wir hier solche Menschen präsentieren und ihre Sicht auf die Welt zeigen können", so der Landrat. Käthe Kollwitz und Gustav Seitz wirkten zu verschiedenen Zeiten. Vieles habe sich verändert. Eines sei jedoch geblieben, die Auseinandersetzung mit den Krisen der Welt und der Anspruch, zu seinen humanistischen Ansichten zu stehen. Seitz habe in seinen Werken die Brüche der Menschen dargestellt. Das Lebenswerk des Bildhauers sei geradezu ideal, um sich mit dem Thema Krieg auseinanderzusetzen und zu erkennen, was jeder selbst für ein friedliches Europa tun kann.
Das künftige Seitz-Zentrum soll im einstigen seit Jahrzehnten leerstehenden Waschhaus entstehen. Der alte Backsteinbau steht unter Denkmalschutz. Die Planungen für die Sanierung liegen bereits vor. Das Gebäude wird nach Fertigstellung - die davor stehenden Gargen aus DDR-Zeiten werden demnächst abgerissen - wird das Ensemble des Schlosses weiter vervollständigen. Und Platz bieten für künstlerische Workshops junger Menschen aus verschiedenen Ländern. Die Seitz-Stiftung wird den gesamten Nachlass des Bildhauers, einschließlich der Figuren, Modelle und 3000 Originalzeichnungen, von Hamburg ins Oderland umlagern.