Ein alu-farbener Entsorgungs-Container steht am Donnerstagmorgen am Feldweg neben der Friedhofsmauer von Neuhardenberg. Auf der anderen Wegseite sind die Tore zum Entenstallgelände weit geöffnet. Dort beginnen die Vorbereitungen zum Töten des 2850 Tiere zählenden Entenbestandes. Kurz nach zehn Uhr kommt weitere Technik an. Ein Radlager und ein Lkw mit einem großen, grünen Container. Die Mitarbeiter der Firma Anicon, die aus dem Gefährt steigen, weisen höflich, aber bestimmt jede Frage zurück. Lediglich die Nachricht, dass sie wohl den ganzen Tag dazu brauchen, um den von Vogelgrippe befallenen Bestand zu "keulen", wie es im Fachjargon heißt.
Am Sonnabend hatte das Anicon-Team, das seinen Sitz nahe Cloppenburg (Niedersachsen) hat, in den Ställen an der B167 gegenüber der Tankstelle 27 000 Tiere getötet. Dort hatten sogar Sicherheitskräfte und Polzeibeamte neugieriges Publikum ferngehalten. Zu groß wäre die Ausbreitungsgefahr der Viren, hieß es zur Begründung. Wer wollte, konnte aber von der Tankstelle aus die Radlader mit den Entenkäfigen fahren sehen, die die Tiere zur Vergasung brachten.
Noch am selben Tag waren in den Ställen neben der ehemaligen Plus-Kaufhalle, ebenfalls von Vogelgrippe befallene Enten festgestellt worden. Darüber informierte Vizelandrat Friedemann Hanke am Mittwoch. "Da wir die Firma Anicon noch vor Ort hatten, wurde festgelegt, dass auch dieser Bestand gekeult werden soll", erklärte Hanke. Am Sonntag wurden so noch einmal 13 000 Tiere getötet. So steigt die Zahl der Tötungen auf 40 000.
Am Friedhof beginnt das große Sterben. Was da genau passiert, schildert auf Nachfrage Dr. Klaus-Peter Baehr von der Firma Anicon. Denn auch wenn dort, etwas abgelegen vom Dorfkern, keine besonderen Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden, bleibt doch der Zutritt zu dem umgebauten Schafstall untersagt: "Das läuft etwa so ab wie vor vier Jahren im Stall bei Altlangsow. Damals hatten wir auch die Bestände geräumt", erklärt Dr. Baehr. Jedoch habe sich inzwischen einiges am Ablauf perfektioniert. "Wir benötigen kein Personal mehr, das die Enten anfassen muss, um sie in die flachen Transportkäfige zu bringen", erklärt er. Denn das hätte den Nachteil, dass das sogenannte Ausstallpersonal möglicherweise den Erreger wieder in andere Ställe verbreitet. Jetzt werde ausschließlich Personal von Anicon und Hilfskräfte eingesetzt. Sie treiben die Enten in die Transportkäfige. Niemand fasst mehr ein Tier an. "In den Transportkäfigen werden die Enten mit einem Radlader aus den Ställen geholt und in den grünen Container gefahren", erläutert der Veterinär. 300 Enten kommen in den Container für eine Tötung.
Dann wird die Tür verschlossen und das Gas eingeleitet. Es handelt sich dabei um ein Gemisch aus den Gasen Argon und Kohlendioxid. Das Kohlendioxid sorgt dafür, dass die Enten eingeschläfert werden. Argon selbst ist nicht giftig. Als preiswertestes Edelgas wird Argon in großen Mengen als Schutzgas etwa beim Schweißen und in der Produktion von manchen Metallen, aber auch als Füllgas von Glühlampen verwendet. In höheren Konzentrationen wirkt es durch Verdrängung des Sauerstoffs allerdings erstickend. Das wird hier ausgenutzt. Weniger als zwei Minuten dauert die Tötung.
Amtstierarzt Dr. Ralph Bötticher und sein Team werden sich in den nächsten Tagen damit beschäftigen, wie der Erreger in die Anlage kam. Eintragsursachen auf dem Hof sowie die Transportkette mit allen Kontaktbetrieben werden überprüft.